Ein paar Männer kaufen sich ganz offiziell Tickets für das Pariser Museum Quai Branly für außereuropäische Kunst. Dort entwenden sie kurzerhand einen ausgestellten hölzernen Totem-Pfahl aus Afrika aus dem 19. Jahrhundert und tragen ihn zum Ausgang – bis Wachleute sie stoppen.

Vier Monate später wird diese Gruppe politischer Aktivisten am 14. Oktober 2020 vor einem Pariser Gericht wegen versuchten Diebstahls zu Geldstrafen verurteilt.

Ein Kunstdiebstahl, der gescheitert ist? Wohl kaum. Sonst hätte das Gericht trotz einer möglichen Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis und 150.000 Euro Geldstrafe wohl kaum so niedrige Geldstrafen in Höhe von 1.000 Euro verhängt, zudem auf Bewährung.

Emery Mwazulu Diyabanza gibt der Presse zum Prozessauftakt im Pariser Justizpalast Interviews

Und sonst hätten die vermeintlichen Diebe die Aktion wohl kaum live ins Internet übertragen, begleitet von dem Vortrag ihres Anführers Emery Mwazulu Diyabanza über aus Afrika geraubte Kunst.

Diyabanza, der aus dem Kongo stammt, rief „die schwarze, afrikanische und panafrikanische Diaspora“ nach dem Prozess in Paris dazu auf, einen kulturellen Schutzschuld zu bilden, um so das „im Westen eingeschlossene kulturelle, wirtschaftliche und soziale Erbe“ zu befreien.

Mit Aktionen Aufsehen erregen

Das Motiv der Aktion war die Rückgabe des Totem-Pfahls an sein Herkunftsland, den Tschad. Ob diese politische Aktion nun eine Straftat war, ziviler Ungehorsam oder Aktivismus, eins hat sie bewirkt: Sie hat weltweit Aufsehen erregt und der Debatte über den Umgang Europas mit der kolonialen Vergangenheit in Afrika eine dringend notwendige Aufmerksamkeit gebracht.

„Viel Rauch, aber wenig Feuer“, sieht der Historiker Jürgen Zimmerer in den politischen Willensbekundungen der ehemaligen Kolonialmächte, geraubte Kunst- und Kulturgüter an die afrikanischen Herkunftsländer zurückzugeben.

Das sei in Frankreich und auch in Deutschland so. „Unbedeutende Sammlungen können erforscht werden, dafür gibt…