Die Infektionszahlen steigen, Ämter und Behörden gelangen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Vielerorts haben Kommunen und Landkreise längst die Bundeswehr um Unterstützung in der Coronakrise gebeten. Mehr als tausend solcher Amtshilfegesuche habe es mittlerweile gegeben, hieß es kürzlich von der Truppe. Die Soldaten helfen bei Tests oder beim Materialtransport.

Doch insbesondere im linken Lager sehen viele die Bundeswehr grundsätzlich kritisch. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzbeg, seit Tagen ein Virushotspot und Risikogebiet, lässt man keine Bundeswehreinsätze in der Coronabekämpfung zu. In dem Bezirk haben Grüne und Linke das Sagen. Die Berliner Linkenchefin Katina Schubert sagte Ende September der Tageszeitung „Die Welt“: „Wir möchten vermeiden, dass es eine schleichende Gewöhnung gibt, dass Militär in zivilen Bereichen eingesetzt wird.“ Zuerst müssten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Ganz andere Töne kommen nun hingegen von einem Genossen aus Thüringen, dem dortigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Dieser begrüßte im Gespräch mit der „tageszeitung“ ausdrücklich das laufende Engagement der Bundeswehr im Inland. „Die schönste Friedensarbeit, die ich mir vorstellen kann, ist ein Bundeswehrsoldat, der bei der Epidemieabwehr hilft“, sagte Ramelow.

„Wir könnten in Thüringen manches gar nicht aufrechterhalten, wenn wir die Bundeswehr nicht gehabt hätten“, so Ramelow. „In Sonneberg gab es keinen anwesenden Amtsarzt, weil die Person schon länger krank ist. Eine Stabsärztin der Bundeswehr hat ausgeholfen, da kann ich der Bundeswehr nur herzlich danken.“

Für Politiker, die solche Verstärkung aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnten, habe er kein Verständnis. Ramelow sagte der, er halte die Nachverfolgung für das entscheidende Kriterium bei der Bekämpfung der Pandemie. „Wenn wir die Gesundheitsämter überlasten, bricht die Pandemie unkontrolliert wieder aus.“

Ramelow gilt in den Reihen der Linken als ausgewiesener…