Alles sei ganz schnell gegangen, erzählt der kurdische Regisseur Nazmi Karaman. Plötzlich habe die Polizei vor der Tür gestanden und sie mussten das Theater verlassen. „Das Theaterstück wird in der Türkei seit drei Jahren aufgeführt. Nie haben die Behörden etwas daran auszusetzen gehabt, doch plötzlich haben sie wohl ihre Meinung geändert“, klagt der Regisseur des kurdischen Stücks Berû – zu Deutsch: gesichtslos. Kurz vor der ersten Aufführung im Istanbuler Stadttheater – Istanbul Belediyesi Sehir Tiyatroları – wurde das Werk vom Ortsvorsteher des Stadtteils Gaziosmanpasa verboten, weil es „die öffentliche Ordnung stört“.

Bei dem Theaterstück, das von der kurdischen Künstlergruppe „Teatra Jiyana Nu“ aufgeführt werden sollte, handelt es sich um eine Übersetzung des bekannten italienischen Theaterautors Dario Fo. Bereits seit drei Jahren wird das Stück des Nobelpreisträgers in der Türkei und im Ausland aufgeführt – fast 4000 Menschen haben sich die Inszenierung angeschaut.

Für das Stadttheater in Istanbul wäre es trotzdem eine Premiere gewesen. In seiner 106-jährigen Geschichte gab es bislang noch keine kurdische Aufführung. „Für uns und für die Gesellschaft wäre das ein wichtiges Signal gewesen“, beklagt Regisseur Karaman.

Das kritisierte Stück stammt vom italienischen Theaterautor Dario Fo

„Alles wie eine Tragikomödie“

Für Karaman habe das Verbot des Stücks, das aus zwei Akten besteht, etwas von einer Tragikomödie. „Ob in Diyarbakır, in Van oder in Batman, in diesen kurdisch besiedelten Gegenden war es üblich, dass man bei der Polizei die Texte einreicht. Die Polizisten kommen anschließend vorbei, gucken sich die Aufführung an und drehen alles mit. Dann wird eine Erlaubnis ausgestellt. Nie gab es mit dieser Prozedur Probleme.“

Kurz bevor der Ortsvorsteher das Verbotsverfahren eingeleitet hat, ist in der regierungsnahen Zeitung Aydinlik der Artikel „Von Istanbuler Stadtbühne zur PKK-Theatergruppe“ erschienen – eine Polemik,…