DW: Frau Rittner, es werden immer mehr Stimmen des Unmuts über den aktuellen WTA-Kalender laut. Australian-Open-Siegerin Sofia Kenin zum Beispiel findet deutliche Worte und sagt, es sei „zum Kotzen, dass die Saison für uns schon vorbei ist“. Auch Laura Siegemund stöhnt. Teilen Sie diese Auffassung?

Barbara Rittner: Ich kann den Unmut deshalb verstehen, weil die ATP-Tour (Tennis-Tour der Männer, Anm. d. Red.) es geschafft hat, neue Turniere zu installieren. Die Männer haben bis zu drei Turniere in einer Woche. Gerade wenn man diesen Vergleich zieht, dann ist der Unmut der Spielerinnen verständlich. Denn es gibt keine Jobs, es gibt in diesem Jahr auch nur noch zwei Turniere bei den Frauen, die unglaublich gut besetzt sind. Da hätte etwa Laura Siegemund aufgrund ihrer Weltranglistenposition gar keine Chance mitzuspielen, selbst wenn sie wollte. 

Sie hatten angeregt, in Köln sowohl ein Frauen- als auch ein Männerturnier zu veranstalten. Allerdings kam das nicht zustande. Was sind die Gründe?

Wir hatten bei der WTA vorgefühlt, hier in der ersten Woche ein Damenturnier zu veranstalten. Die Verantwortlichen haben zwar reagiert, aber sehr träge und haben es uns einigermaßen schwer gemacht. Deshalb hat sich der Veranstalter für zwei Männerturniere entschieden. Die ATP ist, anders als die WTA, forscher vorgegangen. Es gibt ja gewählte Spielervertreterinnen, die müssten jetzt mal auftreten und sich einmischen. Das ist meines Wissens nach noch nicht passiert. 

Es gibt derzeit Bestrebungen der Tennis-Verbände, die vielen unterschiedlichen Interessen zu bündeln. Wie sehen Sie diese Entwicklung aus Sicht des professionellen Damen-Tennis?

Ich bin absolut dafür, dass man unter ein Dach kommt. Es kann ja nicht sein, dass eine Spielerin bei einem Turnier keinen späteren Start bekommt, weil die WTA womöglich nicht will, dass diese Spielerin vorher an einem ITF-Event wie dem Fed Cup teilnimmt. Aufgrund von Corona wird es weniger Turniere geben. Man könnte gemeinsam einen…