Mit 48 Prozent der Stimmen setzte sich „Lost“ gegen die Finalisten „Cringe“ und „Wyld/Wild“ durch. Das teilte eine Sprecherin des Pons-Verlags mit. Jugendliche waren im Internet aufgerufen, Vorschläge einzureichen und das Wort in mehreren Abstimmungen auszuwählen.

DW: „No front, cringe, wild, lost“ – der Trend zu Anglizismen in der Jugendsprache hält an. Warum benutzen Jugendliche in ihren Alltag gerne englische Wörter?

Dr. Nils Bahlo: Englisch hat sich einfach zu einer Modesprache entwickelt und zu einer sehr mächtigen Sprache, die international gesprochen wird. Die großen Modeerscheinungen, wie zum Beispiel das Kommunizieren über Messenger, oder auch die Musikszene werden von anglophonen Begriffen dominiert.

Das kann man ganz gut vergleichen mit dem Sprachgebrauch des 17. und 18. Jahrhunderts. Da war es das Französische, das Griechische oder das Lateinische, was damals in der Jugendsprache vorherrschte.

Jugendsprache ist für die Identifikation als Peergroup wichtig

Wozu brauchen Jugendliche überhaupt eine eigene Sprache, mit der sie untereinander kommunizieren?

Für Jugendliche ist in erster Linie das Kommunizieren auf Augenhöhe wichtig, das heißt Identifikation mit Gleichgesinnten oder mit Freundinnen und Freunden. Das Spielen mit Sprache ist auch eine wichtige Funktion.

Und es ist gleichzeitig ein Elaborationsprozess. Genauso wie ein Kind anfängt zu laufen, müssen junge Menschen lernen, Sprache zu verwenden und sie kompetent zu verwenden. Letztendlich kann man noch sagen, die Sprache dient der Provokation. Jugendliche können mit ihrer Jugendsprache ganz wunderbar provozieren, sie können damit sagen, wer sie sind.

Minecraft-Videos prägen Jugendsprache

Sie sprachen von einem Elaborationsprozess, also wenn neues Wissen und neue Informationen im Gehirn mit eigenen Worten vernetzt werden. Wie kommen Jugendliche überhaupt auf diese Wörter?

Es gibt eine ganze Menge von Geber-Bereichen. Das sind einmal natürlich die Freundinnen und Freunde, die irgendwo…