Zunächst eine Nachricht in eigener Sache: Meine SPIEGEL-Kollegen und ich haben in den vergangenen Tagen deutliche Verstärkung bekommen. Jetzt, wo es im Wahlkampf richtig ernst wird, verstärkt der SPIEGEL sein Team in den USA mit fünf weiteren Reporterinnen und Reportern. Gemeinsam werden wir Sie in den kommenden Wochen mit Reportagen, Analysen und Videos informieren – wir sind für Sie im ganzen Land unterwegs, natürlich insbesondere in den sogenannten Swing States wie Pennsylvania, Florida oder Arizona, in denen die Wahl am Ende entschieden wird.

Denn die Umfragen sind das eine (hier finden Sie laufend aktualisierte Daten) – aber was sagen die Menschen? Dieses Land kann man nicht nur von Washington oder New York aus verstehen. Deshalb begeben wir uns für Sie zu den Wählerinnen und Wählern – wir wollen wissen, wie sie auf Donald Trump und Joe Biden schauen und welche Themen sie am meisten bewegen.

In der vergangenen Woche habe ich mir bei einer Rundreise durch den Süden der USA das Bürgerrechtsinstitut in Birmingham, Alabama, angeschaut. Es gibt dort eine beeindruckende Ausstellung über den Kampf der Schwarzen in den USA um Gleichberechtigung.

Man sieht unter anderem die Tür der Zelle, in der Martin Luther King 1963 seinen berühmten „Brief aus einem Gefängnis in Birmingham“ schrieb und eine Originalrobe des Ku-Klux-Klan. Und Besucher werden an die Worte erinnert, die der damalige Gouverneur George Wallace 1963 bei seiner Amtseinführung sprach: „Rassentrennung heute, Rassentrennung morgen, Rassentrennung für immer.“

Ich musste an das Museum denken, als ich die Anhörung von Amy Coney Barrett verfolgte, jener Frau, die nach dem Willen der Republikaner der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg am Supreme Court nachfolgen soll.

Die Bürgerrechte spielen keine Rolle

Es ist im Vorfeld viel über Barretts Haltung zur Abtreibung, zur Gesundheitspolitik und über ihre religiösen Überzeugungen gesprochen worden. Ein Thema spielt aber kaum eine Rolle: ihre Haltung zu…