Amy Coney Barrett ist höflich. Sie wird nicht laut. Sie redet viel an diesem Tag, aber sie gibt wenig preis. Barrett ist die Kandidatin des amerikanischen Präsidenten Donald Trump für eine Richterstelle am Supreme Court, dem höchsten Gericht der USA. Diese Woche stellt sie sich den Anhörungen des Justizausschusses im Senat.

Sie soll Ruth Bader Ginsburg nachfolgen, der liberalen Ikone, die als Vorkämpferin von Frauenrechten galt, und vor wenigen Wochen verstarb. Die Situation ist außergewöhnlich: Noch vor wenigen Jahren hatten Republikaner gesagt, sie wollten keine Supreme-Court-Kandidaten in einem Wahljahr aufstellen. Sie haben es sich anders überlegt.

Nun wollen sie Barrett noch vor den Wahlen am 3. November als Richterin am Supreme Court bestätigen. Damit würde das Gericht weiter nach rechts rücken, sechs von neun Richterinnen und Richtern wären konservativ.

Demokraten fürchten Aushöhlung von Minderheitsrechten

Für die Demokraten ist die Aufstellung von Barrett ein Ärgernis, mehr als das: Sie sehen durch ihre Nominierung die Rechte von Frauen, von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen in Gefahr und glauben, dass Barrett den „Affordable Care Act“, die Gesundheitsreform des früheren Präsidenten Barack Obama, kippen könnte. Ausgerechnet über Obamacare verhandelt das Oberste Gericht nur eine Woche nach den Präsidentschaftswahlen.

Die Anhörung am Dienstag zog sich, mehr als neun Stunden wurde Barrett von den 22 Mitgliedern des Justizausschusses befragt. Es ging vor allem um Obamacare. Reihenweise zeigten die Senatoren der Demokraten Bilder von Menschen, die durch die Aufhebung der Gesundheitsreform nicht mehr in der Lage wären, lebenswichtige Medikamente zu bezahlen. Sie erzählten Geschichten von Kindern, Alten, Kranken.

Kamala Harris, Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, zählte auf, wer besonders leiden würde: Über 100 Millionen Amerikaner müssten mehr für ihre Versicherung zahlen, oder würden ihre Versicherung verlieren,…