Ein Rekordanteil von 58 Prozent der Schotten wünscht sich die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das britische Marktforschungsinstitut Ipsos MORI am Mittwoch veröffentlichte.

Demnach wollen 64 Prozent der Schotten, dass die britische Regierung ein zweites Unabhängigkeitsreferendum für Schottland binnen fünf Jahren erlaubt, sollte die aktuelle Regierungspartei Scottish National Party (SNP) auch die nächste Wahl des schottischen Parlaments gewinnen. Als einen wichtigen Grund gaben die Befragten den Verbleib in der EU an. Die SNP ist linksliberal und proeuropäisch orientiert.

„Die Meinung der schottischen Öffentlichkeit hat sich noch weiter in Richtung eines unabhängigen Schottlands bewegt“, schrieb die Leiterin von Ipsos MORI Scotland in einer Pressemitteilung. Die Umfragewerte zeigten, dass sich im Falle eines Wahlsiegs der SNP der öffentliche Druck auf die britische Regierung signifikant erhöhen könnte, ein zweites Referendum zuzulassen.

Der aktuellen Umfrage zufolge hat die SNP sehr gute Aussichten auf eine absolute Mehrheit bei der schottischen Parlamentswahl im kommenden Mai. Bei einem ersten Unabhängigkeitsreferendum 2014 hatten 55 Prozent der Schotten noch für den Verbleib im Vereinigten Königreich gestimmt.

Als weitere Argumente für die Unabhängigkeit nannten die Befragten, dass sie Schottland in eine andere politische Richtung als England führen möchten. Außerdem hätten sie kein Vertrauen, dass die britische Regierung sich für die Belange Schottlands einsetze. An dritter Stelle wurde der Brexit genannt. Schottland hatte bei dem Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens 2016 mehrheitlich für den Verbleib gestimmt.

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