Der Jubilar blickte etwas säuerlich in die Kamera und wirkte nicht gerade glücklich. „Klar, ich bin mit dem Punkt nicht zufrieden“, sagte Toni Kroos nach seinem 100. Länderspiel im ARD-Interview. „Es muss der Anspruch sein, solche Spiele zu gewinnen.“ Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen manchmal eben auseinander. Und so kamen Kroos und Co. im Nations-League-Spiel gegen die Schweiz, das wegen der hohen Corona-Infektionsrate in Köln vor leeren Rängen ausgetragen werden musste, nicht über ein 3:3 (1:2)-Unentschieden hinaus. „Wir haben nicht gut angefangen“, räumte der 30-Jährige ein. „Aber danach haben wir fußballerisch ein gutes Spiel gemacht und uns im Vergleich zur letzten Partie in der Ukraine gesteigert.“

Der Leistungsbogen des DFB-Teams entsprach in etwa dem seines erfahrensten Spielers: Kroos begann ungewohnt fehlerhaft, steigerte sich dann, ohne ganz großen Glanz verbreiten zu können. Schnell lag die deutsche Mannschaft mit 0:2 hinten, wegen haarsträubender Fehler in der Defensive. Der zweite Gegentreffer ging eindeutig auf Kroos‘ Konto: Sonst als „Passmaschine“ bekannt, leistete er sich an der Mittellinie einen folgenschweren Fehlpass, der anschließende Konter führte zum Tor. Seinen Aussetzer beim 0:2 blendete Kroos hinterher – wahrscheinlich unbewusst – aus. „Beim ersten und dritten Gegentor haben wir schon mitgeholfen, dass die Schweizer ihre Treffer machen konnten“, sagte der Profi von Real Madrid, dessen Frau und Kinder seinen Jubiläumsauftritt in Köln auf der Tribüne mit verfolgten.    

Charakter gezeigt

Dass die deutsche Nationalmannschaft den 0:2-Rückstand aufholte und nach dem neuerlichen 2:3 noch einmal zurückkam, war dem zu verdanken, was ARD-Experte Bastian Schweinsteiger so formulierte: „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt.“ Das galt auch für Kroos, der sich nicht entmutigen ließ. Ein ums andere Mal schickte er mit seinen nun wieder gewohnt zielgenauen Pässen die Stürmer Timo Werner, Kai Havertz und Serge Gnabry auf die Reise in…