SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, heute treffen Sie sich das erste Mal seit Monaten wieder mit Angela Merkel und den anderen Regierungschefs im Kanzleramt – trotz hoher Infektionszahlen in Berlin. Haben sich die Videoschalten nicht bewährt?

Kretschmer: Es stehen wichtige Entscheidungen an. Da müssen wir uns persönlich treffen, um auch offen reden zu können. Bei Schalten weiß man nie, wer noch mithört und wo das dann landet. Zum Beispiel im SPIEGEL.

SPIEGEL: Kanzleramtschef Helge Braun spricht von einer historischen Dimension des Treffens. Weil es sich in diesen Tagen entscheide, ob der Anstieg der Zahlen noch zu stoppen ist. Hat er Recht?

Kretschmer: Wir dürfen die Bevölkerung nicht verunsichern und brauchen eine breite Akzeptanz für die Maßnahmen gegen Corona. Wir wissen ja heute viel mehr als zu Beginn der Pandemie, zum Beispiel wie sich das Virus überträgt. Und wir haben Instrumente, damit umzugehen. Überall im Land sind verantwortungsvolle Bürgermeister und Landräte, die gut reagieren, wenn die Infektionszahlen steigen. Also keine Hysterie, bitte!

Zur Person

Foto: Kay Nietfeld/ DPA

Michael Kretschmer, geboren 1975 in Görlitz, ist seit Dezember 2017 sächsischer Ministerpräsident und Vorsitzender der Landes-CDU. Von 2002 bis 2017 war er Mitglied des Bundestags, zwischen 2005 und 2017 Generalsekretär der sächsischen CDU.

SPIEGEL: Wenn wir so viel gelernt haben, wie Sie sagen – warum erleben wir gerade diesen massiven Anstieg bei den Infektionszahlen?

Kretschmer: Ich sperre mich nicht dagegen, unsere Lage kritisch zu hinterfragen. Zum Beispiel: Können wir die Corona-App und ihre Anwendung verbessern? Nutzt uns dieses Instrument so, wie wir es uns gewünscht haben? Und: Müssen wir nicht mehr kontrollieren, um die geltenden Regeln und Maßnahmen auch durchzusetzen?

SPIEGEL: Wir nehmen an, Ihre Antworten auf dieses Fragen sind: Ja, Nein und Ja. Was ist mit dem innerdeutschen Reiseverkehr, den Sie heute im Kanzleramt diskutieren wollen….