Die Kapitalmarktzinsen für italienische Staatsanleihen fallen von einem historischen Rekordtief zum nächsten: Die Rendite für solche Papiere mit zehnjähriger Dauer betrug an diesem Mittwoch zeitweise nur noch 0,636 Prozent pro Jahr – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Euro-Schuldenkrise waren diese Kapitalmarktzinsen mit über sieben Prozent zeitweise mehr als elfmal so hoch.

Je niedriger die Renditen sind, desto weniger Zinsen muss das Land potenziellen Gläubigern bieten, die dem Land Geld leihen. Entsprechend geringer sind die Belastungen für den Staatshaushalt. In der Eurokrise drohten die hohen Zinsen mehrere südeuropäische Länder in den Bankrott zu treiben.

Schon in den vergangenen Tagen hatte die Renditen der italienischen Anleihen mehrmals historische Tiefstände erreicht, als sich Investoren mit diesen Wertpapieren eindeckten. Dabei muss sich das schwer von der ersten Corona-Welle getroffene Land in diesem Jahr noch stärker verschulden, um seine angeschlagene Wirtschaft aufzupäppeln. Zudem steigen die Infektionszahlen in Italien seit einigen Tagen wieder steil an.

Spekulation auf Ausweitung der Wertpapierkäufe 

Investoren zufolge spekulieren aber viele Anleger der Italien-Bonds darauf, dass die europäische Zentralbank (EZB) ihre Wertpapierkäufe ausweitet. Schon seit langem erwirbt die Notenbank im großen Stil Schuldpapiere der Eurozonen-Staaten; im Frühjahr legte sie im Kampf gegen die Pandemie ein Notkaufprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro auf. Und erst kürzlich kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine Fortsetzung dieses Programms an, bis das Inflationsziel von knapp zwei Prozent erreicht sei. Weitere Anleihekäufe könnten den Wert der italienischen Schuldverschreibungen weiter nach oben treiben – und Spekulanten Kursgewinne bescheren.

Zudem könnten manche Anleger angesichts der zweiten Corona-Welle massive Kursverluste an den Aktienmärkten befürchten – und damit beginnen, ihr Geld in den vermeintlich…