Das Great Barrier Reef hat einer Studie zufolge innerhalb von gut zwei Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Betroffen seien Korallen fast aller Gruppen und sämtlicher Größenordnungen, berichten Forscher nach einer systematischen Bestandsaufnahme im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“.

Das Great Barrier Reef ist das größte Riff der Welt und erstreckt sich auf einer Fläche von mehr als 344.000 Quadratkilometern. Es ist größer als Italien und sogar vom Weltraum aus zu sehen. Zum Riff gehören auch Hunderte Inseln. Seit 1981 ist es offizielles Weltnaturerbe der Unesco.

„Wir dachten immer, das Great Barrier Reef sei durch seine schiere Größe geschützt“, sagt Terry Hughes von der James Cook University in Townsville, der an der Studie mitgearbeitet hat. „Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst das weltgrößte und relativ gut geschützte Riffsystem zunehmend geschwächt wird und schwindet.“ 

Die Entwicklung begründen die Forscher vor allem mit den hohen Wassertemperaturen und den daraus resultierenden Korallenbleichen in den Jahren 2016 und 2017, die vor allem Korallen in seichtem Wasser treffen. Zudem hätten Stürme und Dornenkronen-Seesterne, die sich von Korallen ernähren, den Riffen zugesetzt.

Das Problem: Korallen brauchen Algen zum Überleben. Diese liefern ihnen Energie und verleihen ihnen ihre Farbe. Wird das Meerwasser jedoch zu warm, wird aus der Symbiose eine Feindbeziehung: Die Algen produzieren dann vermehrt Giftstoffe. Die Korallen stoßen die Algen ab und verlieren damit neben ihrer Farbe auch ihre wichtigste Nahrungsquelle. Wenn sich die Algen nicht innerhalb einiger Wochen oder Monate wieder ansiedeln, sterben die Korallen. 

Riffe können sich kaum noch erholen

Die Forscher hatten Mitte der Neunzigerjahre fünf festgelegte Abschnitte des Riffs vor der australischen Ostküste untersucht. Dafür hatten sie die Zahl der einzelnen Korallenkolonien auf den Kämmen des Riffs dokumentiert und an den Hängen bis in sieben Meter…