In den Erbschaftsstreit bei Tengelmann kommt Bewegung: Firmenchef Christian Haub hat der Ehefrau seines vor zweieinhalb Jahren verschwundenen Bruders ein milliardenschweres Angebot für dessen Firmenanteile gemacht. Das sagte Christian Haubs Anwalt Mark Binz der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war im April 2018 allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt in der Schweiz tödlich verunglückte. Kurz nach Karl-Erivan Haubs Verschwinden hatte dessen Bruder Christian die Leitung des Familienunternehmens übernommen. Zu der Tengelmann-Gruppe gehören der Textilhändler Kik, der Discounter Tedi und die Baumarkkette Obi.

Nun hat Christian Haub nach Angaben seines Anwalts ein Angebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile seines verschollenen Bruders vorgelegt. „Damit kommt er Katrin Haub mit Rücksicht auf die familiären Beziehungen weit entgegen“, sagte Anwalt Binz. Denn es seien rund 150 Millionen Euro mehr, als nach dem Tengelmann-Gesellschaftervertrag bei dem Ausscheiden eines Gesellschafters eigentlich zu zahlen wäre. Die Satzung sehe vor, dass dem ausscheidenden Gesellschafter lediglich 70 Prozent des Verkehrswerts seiner Anteile zustünden – und das auch erst nach einer Wartefrist von zehn Jahren. Ein Sprecher von Katrin Haub wollte den Vorschlag zunächst nicht kommentieren.

Seit dem Verschwinden schwelt ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht bei dem milliardenschweren Handelskonzern. In die Auseinandersetzung kam Bewegung, als Christian Haub zusammen mit seinem Bruder Georg Anfang des Monats beim Amtsgericht Köln beantragte, den Vermissten für tot erklären zu lassen. Ein Unternehmenssprecher sagte, Ziel sei es, klare und stabile Verhältnisse im Gesellschafterkreis sowie Sicherheit für die Unternehmensgruppe und ihre 90.000 Mitarbeiter zu erhalten.

Laut Ehefrau…