„Macron bereitet einen Elektroschock vor“, schrieben französische Medien vor der Fernsehansprache des Präsidenten. Emmanuel Macron sprach in der Coronakrise wieder einmal ein Machtwort. Seit dem 14. Juli hatte er nur Premierminister Jean Castex oder Gesundheitsminister Olivier Véran vorgeschickt. Doch die Corona-Infektionen steigen in Frankreich an, Experten sehen das Land mitten in der zweiten Welle. Deshalb musste Macron Präsenz zeigen und die Franzosen mit klaren Ansagen beruhigen.

Macron ging noch härter vor, als es die Franzosen erwartet hatten und schockierte damit. Er kündigte eine Sperrstunde ab 21 Uhr bis 6 Uhr in zahlreichen Städten an, die besonders vom Virus betroffen sind, darunter Paris, Lyon, Marseille und Aix-en-Provence. Ins Kino oder Theater kann man abends nicht mehr gehen, was ein großes Problem für die Kulturindustrie bedeutet. Am Samstag soll die Sperrstunde eingeführt werden und für mindestens vier Wochen gelten. Das entspricht keinem kompletten Lockdown, aber einem extremen Slowdown.

Dramatische Situation in Paris

Seit Tagen reißen die alarmierenden Nachrichten der Regierung nicht ab. In Paris sei die Situation „dramatisch“, hieß es. Sie bereiteten dem Präsidenten das Feld. Das Fernsehinterview sollte vor allem zeigen, dass er die Zügel noch in der Hand hält. Es sollte eine Inszenierung der Entschlossenheit sein, Klarheit über die Maßnahmen für die nächsten Wochen und Monate schaffen. Und Klarheit schaffte es tatsächlich. Nur den Präsidenten ließ es eher hilflos wirken.

Zuvor war über eine Sperrstunde um 22 oder 23 Uhr spekuliert worden. Der Präsident verteidigte sich: „Wir haben die Kontrolle nicht verloren, wir sind nicht in Panik. Aber die Krankenhäuser sind unter Druck. Heute ist das Virus in ganz Frankreich. Wir haben in den Krankenhäusern keine Reserven. Deshalb müssen wir Maßnahmen ergreifen. Wir sind in der zweiten Welle.“ Auch Deutschland ergreife restriktive Maßnahmen, sagte er. Frankreich müsse reagieren. „Wir…