Tun wir nicht überrascht. Seit Wochen steigt die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland, hauptsächlich in Ballungszentren, aber auch auf dem Land. In den vergangenen Tagen zeigte die Kurve steil nach oben. Es war klar, dass etwas geschehen muss, wollen wir die vollends unkontrollierte Ausbreitung des verdammten Corona-Virus noch in den Griff bekommen.

Nach einem einigermaßen sorglosen Sommer hat die Pandemie das Land wieder voll erwischt, womöglich auf gefährlichere Weise als im Frühjahr, als sich die Ausbreitung auf eingrenzbare Hotspots zurückführen ließ. Jetzt droht der Flächenbrand.

Es wird wieder richtig ernst

Es ist gut, dass sich Bund und Länder nun, nach Wochen verwirrender regionaler Einzelmaßnahmen, auf eine gemeinsame Linie verständigt haben, wie die Verbreitung in Gebieten mit starkem Infektionsgeschehen eingedämmt werden soll.

Streng begrenzte private Feiern, Sperrstunden in Restaurants, nur noch höchstens zehn Personen gemeinsam im öffentlichen Raum bei Inzidenzwerten ab 50 pro Woche, schon ab 35 eine ausgeweitete Maskenpflicht. Dazu Hände waschen, Lüften, Abstand halten, die Corona-Warn-App benützen. All das leuchtet ein, all das kann man sich merken, all das ist also besser als verwirrende, hyperlokale Vorschriften wie etwa zeitbeschränkte Maskenregelungen in Hamburg, die hausnummerngenau nur für bestimmte Straßenzüge gelten.

Das könnte die wichtigste Botschaft, das wichtigste Ergebnis des Corona-Gipfels im Kanzleramt sein: Ein gemeinsames Verständnis von der Ernsthaftigkeit der Lage. In Berlin haben die Kanzlerin und die Länderchefs um die Infektionszahlen gerungen, ab denen die neuen Maßnahmen gelten sollen. Armin Laschet etwa soll die Einschränkungen privater Feiern zu früh und zu rigoros genannt haben, Markus Söder und andere dagegen für ein hohes Tempo geworben haben. Beim Beherbergungsverbot konnte man sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Im Großen aber kommt es nun weniger darauf und auf die konkreten Grenzwerte…