Wer eine große Chance im Leben verpasst hat, grübelt darüber möglicherweise länger, als es für ihn gut ist. Für Alexander Zverev scheint sich der verpasste erste Grand-Slam-Erfolg Mitte September bei den US Open in New York allerdings fast schon zu einem Trauma zu entwickeln. Seine Fünf-Satz-Niederlage gegen Dominic Thiem, mit der er den größten Triumph in seinem Sportlerleben verpasste nagt noch immer am 23-Jährigen. „Ich war nur zwei Punkte entfernt. Ich denke daran ungefähr 25 Mal am Tag. Und auch noch jede Nacht in meinen Träumen“, sagt Zverev, der gerade beim ATP-Turnier in Köln spielt. 

Junge Generation trägt eine Bürde

Der gebürtige Hamburger kann zwar auch ein wenig über seine eigenen Aussagen lachen, doch seine Sportlerseele leidet nach wie vor. Sich mit dieser dramatischen Niederlage abzufinden und sie zu vergessen, das kann und will Zverev offenbar noch nicht. Doch Tennis ist ein Tagesgeschäft. Das nächste Match steht für einen Tennisprofi eigentlich immer vor der Tür. Zverev hat nach dem Drama von New York die French Open, bei denen er sich in der vierten Runde gegen den aufstrebenden 19-jährigen Yannick Sinner in vier Sätzen geschlagen geben musste, gespielt. Aber dieser 13. September 2020, der Tag der schmerzhaftesten Niederlage, hat sich fest eingebrannt.

Schmerzhafte Niederlage: Zverev führt im US-Open-Finale schon 2:0 nach Sätzen gegen Thiem

Doch der eng getacktete Zeitplan kann auch ein Vorteil für die Tennisprofis sein. Der Tennis-Tross zieht den größten Teil des Jahrs über von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. Da bleibt eigentlich nicht viel Zeit, groß nach hinten zu schauen. Und doch tragen Zverev und andere aus der jungen Generation, wie Andrej Rublev, Denis Schapovalov oder Stefanos Tsitsipas, eine Bürde mit sich herum. Denn in der Tennis-Welt geistert seit Längerem die Frage herum: Wann wird es ihnen endlich gelingen, die seit Jahren dominierenden Roger Federer, Novak…