Im tunesischen Örtchen Sidi Bouzid hatte sich Ende 2010 der Straßenhändler Mohamed Bouazizi selbst angezündet und damit Aufstände im gesamten arabischen Raum ausgelöst. Es war der Beginn des Arabischen Frühlings. Seither hat sich vieles verändert – doch die Unzufriedenheit bei vielen ist geblieben.

Nun sind ganz in der Nähe von Sidi Bouzid erneut Hunderte Menschen auf die Straße gegangenen und haben sich Kämpfe mit Polizeikräften geliefert. Nach Angaben lokaler Medien kam es in der Kleinstadt Sbeitla am Dienstag zu den Unruhen, nachdem in der Nacht ein Kioskbesitzer auf tragische Weise ums Leben gekommen war. Die Stadtverwaltung hatte seinen illegal errichteten Kiosk mit einem Bulldozer niederwalzen lassen – während der 50-Jährige darin schlief.

Die Demonstrierenden errichteten daraufhin Straßenblockaden, zündeten Reifen an und bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen. Um weitere Aufstände in der Region zu vermeiden, entließ Tunesiens Ministerpräsident Hichem Mechichi noch am Dienstag den dortigen Provinzgouverneur und drei Beamte aus Sbeitla.

Die Kleinstadt liegt in der Provinz Kasserine im Landesinneren von Tunesien – etwa 200 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis und nur wenige Kilometer nördlich von Sidi Bouzid. Die Provinz Kasserine ist immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Regelmäßig gehen Menschen gegen die schlechte Wirtschaftslage auf die Straße. Das schroffe Umland gilt zudem als Rückzugsgebiet für Islamisten mit Verbindungen zu den Terrororganisationen „Islamischer Staat“ (IS) und al-Qaida.

Tunesien konnte sich nach dem Arabischen Frühling, in dessen Zuge viele arabische Diktatoren aus ihren Ämtern gejagt wurden, besser entwickeln als andere Länder. Der nordafrikanische Staat gilt als stabil und hat sich eine Demokratie erarbeitet. Doch Tunesien kämpft mit großen wirtschaftlichen Problemen. Etwa 40 Prozent der Tunesier leiden nach offiziellen Angaben unter Armut, besonders…