Er ist wieder da. Vor dem Präsidentenpalast wird das neue polnische Kabinett vereidigt – wegen des Coronavirus im Freien. Die Minister tragen schwarze Masken. Als Jarosław Kaczyński an die Reihe kommt, nestelt Staatsoberhaupt Andrzej Duda hektisch den Handschuh der rechten Hand herunter. Der neue Vizepremier hat besondere Ehrerbietung verdient.

Unbewegt nimmt Kaczyński die Urkunde entgegen, leiert den ministeriellen Eid herunter – und geht. Das Gruppenfoto mit den anderen neuen Ministern verweigert er. Ich bin nicht wirklich einer von euch, sagt diese Geste. Sie ist unhöflich, gibt aber die realen Machtverhältnisse wieder: Duda wäre nicht Präsident, wenn Kaczyński ihn nicht erkoren hätte, auch die anderen Minister hat er handverlesen. Vizepremier wird er nur, weil es grad nicht anders geht.

Eigentlich agiert Kaczyński lieber aus dem Hintergrund, so wie schon die letzten fünf Jahre, seit seine nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) in Warschau regiert. Kaczyński hat die Partei vor 19 Jahren noch mit seinem Zwillingsbruder Lech zusammen gegründet.