Es war das erklärte Ziel der Großen Koalition: Die befristete Mehrwertsteuersenkung sollte die Nachfrage ankurbeln. Die Deutschen sollten Geld ausgeben, größere Anschaffungen jetzt vorziehen. Von der Senkung hätten alle was, hieß es. Denn anders als etwa bei der Einkommensteuer zahlt die Mehrwertsteuer jeder – ob arm oder reich.

Doch wem hilft die Steuersenkung am Ende wirklich? Gerade Geringverdienende fühlen sich übergangen: Sie haben häufig kein Geld für Anschaffungen wie ein neues Auto oder eine neue Küche, wo man durch die Steuersenkung gerade besonders viel sparen kann. Der Linkenpolitiker Dietmar Bartsch spricht von einem „Porsche-Rabatt“.

Fakt ist: Wer weniger Geld ausgibt, spart auch weniger Mehrwertsteuer. Ein Beispiel: Eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen hat im Monat etwa 2800 Euro zur Verfügung. Durch die Steuersenkung kann sie 53 Euro sparen. So hat es Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bereits im Juni ausgerechnet. Eine Familie mit mittlerem Einkommen spart demnach 82 Euro, Menschen mit einem hohen Einkommen schon 116 Euro.

Das klingt ungerecht. Trotzdem könnte die Senkung Geringverdienende entlasten, denn sie geben meist den größten Anteil ihres Einkommens aus und können weniger Geld zurücklegen. Den größten Anteil an den Ausgaben haben dabei Lebensmittel und Drogerieartikel, für die der ermäßigte Steuersatz gilt. Auch den hat die Regierung gesenkt, von sieben auf fünf Prozent. Trotzdem berichten viele, dass sie von der Senkung nichts hätten. „Das fällt gar nicht auf im Portemonnaie“, sagt Ellen Diederich. Die Rentnerin lebt mit ihrem Ehemann in Hamburg.

Auch viele Familien zahlen wohl bis zu 50 Euro mehr für den Wocheneinkauf, heißt es in einschlägigen Facebook-Gruppen wie der Seite des Verbandes kinderreicher Familien. Das Leben habe sich in den vergangenen Monaten so stark verändert, dass der Effekt der Senkung vollständig aufgefressen werde, schreibt Sarah Klein, Alleinerziehende…