Wenn am Dienstagabend (13.10.2020) auf dem Messegelände in Frankfurt die Buchmesse 2020 als „Special Edition“ eröffnet wird, dann ohne Publikum in einer leeren Festhalle. Ein Trauerflor hängt schon im Vorfeld über dem Ereignis, nachdem angesichts steigender Corona-Infektionszahlen selbst die wenigen Hundert Gäste, die bis vor Kurzem noch zur Eröffnung zugelassen waren, fern bleiben müssen. Und es drängen sich Fragen auf: Was kann eine weitgehend ins Digitale verlagerte Buchmesse überhaupt leisten? Wie sinnvoll ist eine Messe ohne direkte menschliche Begegnungen? Wäre es nicht vielleicht sogar besser gewesen, auch die Herbstbuchmesse wie schon die Leipziger Buchmesse im Frühjahr in diesem Jahr ganz abzusagen?

Eine digitale Messe bietet auch Chancen

Wäre es nicht, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, auf der live gestreamten Auftaktpressekonferenz. Die Aufgabe der Messe sei es, Menschen zusammenzubringen, Autoren, Verleger, Übersetzer, Fachpublikum. Dafür habe die Buchmesse Plattformen geschaffen, auf denen sich mehr Teilnehmer begegneten als vor Ort in den vergangenen Jahren. 4400 Aussteller und Fachpublikum aus 120 Ländern hätten sich registriert. „Das schließt auch Redner und digitale Teilnehmer ein, die zuvor noch nie auf der Messe waren.“

Ob sich 2021 Kanada bei der Eröffnung wieder so feierlich präsentieren können wird wie 2019 Norwegen?

„Der Umzug ins Digitale war eine große Herausforderung für uns, aber er hat uns auch neue Gelegenheiten geboten, uns in dem, was wir tun, noch zu verbessern“, sagt der Buchmessenchef. Er habe in diesem Jahr mit vielen Verlegern gesprochen, die an der Messe teilnehmen wollten, es aber nicht konnten: wegen finanzieller Einschränkungen, wegen Visa- oder Reiseproblemen, oder weil die Regierung ihre Ausreise verhindert hätte. „Der größte Vorteil unserer digitalen Messe ist, dass so gut wie jeder teilnehmen kann.“ Es sei das erste Mal, dass die Frankfurter Buchmesse für Menschen zugänglich sei,…