Um kurz nach Mitternacht beginnt Freddie Flor manchmal seinen Arbeitstag: Dann veröffentlicht das RKI die neuesten Corona-Infektionszahlen – und damit auch die neuen Risikogebiete in Deutschland. Dann weiß Flor, Hotelier auf Amrum, welche seiner Gäste er am nächsten Tag anrufen muss, um ihren Urlaub zu stornieren. Es sei denn, die Personen können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

„Das war letzte Woche sehr verwirrend, als die Regelung in Kraft trat“, sagt der Betreiber vom Landhaushotel Flor und vom Friesenhof Bendixen auf der Nordseeinsel. „Wir hatten sehr viele Stornos, weil die Leute nicht rechtzeitig einen Coronatest besorgen konnten.“ Bislang sei er mit einem blauen Auge durch das Jahr gekommen, sagt Flor. Doch nun seien seine Buchungen um fünf bis zehn Prozent zurückgegangen.

Zahl der Risikogebiete hat sich verdoppelt

Mit Wucht holt die Corona-Pandemie in Deutschland zum zweiten Mal die Tourismus-Betriebe ein. Nicht nur die Hauptstadt wurde just zum Beginn ihrer Herbstferien als Risikogebiet eingestuft, jeden Tag kommen weitere hinzu: Von Frankfurt am Main über Köln und Essen bis nach München und Rosenheim steht die Corona-Landkarte auf Rot. Die vom RKI veröffentlichte Liste der betroffenen Postleitzahlen – danach werden die Risikogebiete eingeteilt – hat sich binnen einer Woche fast verdoppelt.

Für die Hotels und Feriendomizile bedeutet das: Es hagelt Stornierungen. Zwar sind die Bestimmungen je nach Bundesland unterschiedlich. Während Brandenburg ein komplettes Beherbergungsverbot für Berliner verhängte, entschied sich Schleswig-Holstein zunächst für eine Testpflicht plus 14-tägiger Quarantäne, nahm aber die Quarantäne kurz darauf wieder zurück. In Mecklenburg-Vorpommern, bekannt für seine besonders strengen Schutzmaßnahmen, gilt seit 8. Oktober: Alle Einreisenden aus Risikogebieten müssen einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist – und trotzdem in 14-tägige Quarantäne. Nur wer nach fünf bis sieben…