Die beste politische Idee verpufft, wenn sie nicht sorgsam inszeniert ist. Wer politisch etwas durchsetzen will, der braucht nicht nur Macht, sondern klare Botschaften und politische Symbolik.

In der Coronakrise war das bislang stärkste Symbol der deutschen Politik die TV-Ansprache der Kanzlerin am 18. März. Die Infektionszahlen waren in die Höhe geschossen, das Land im Lockdown. „Es ist ernst“, sagte Angela Merkel damals, sprach von der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Jetzt schießen die Zahlen wieder in die Höhe, Infektionsketten sind vielerorts nur noch mit Mühe oder kaum mehr nachvollziehbar. Hochzeitsgäste und Partyvolk in den Großstädten sind ein zentraler Infektionstreiber dieses Herbstes.

Und die Politik? Verharrt im Klein-Klein.

Noch in der vergangenen Woche eine Absage

Deutschland ähnelt einem politischen Flickenteppich, allüberall eigene Maßnahmen und Regelungen, künstliche Grenzen, politische Rechthaberei. Das verwirrt. Und schmälert die Akzeptanz der Corona-Regeln insgesamt. Wenn es so weitergeht, so hat Merkel jüngst CDU-Führungsleuten vorgerechnet, würden sich die täglichen Infektionszahlen an Weihnachten der 20.000er Marke nähern.

Deshalb soll jetzt die Wende her. An diesem Mittwoch trifft sich die Kanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder – es wird ein Präsenztermin, keine Schaltkonferenz. Erstmals seit Juni reisen alle im Kanzleramt an.

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

Foto: Markus Schreiber / dpa

Das ist höchst ungewöhnlich bei dieser Infektionslage. Schließlich wurde noch am vergangenen Freitag die für Ende Oktober mit physischer Anwesenheit in Berlin geplante Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) zu einem Videoformat geswitcht. Dort soll die Übergabe des MPK-Vorsitzes vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) vollzogen werden. „In der Hoffnung, dass wir uns…