Mitte Juli, als auch im Vereinigten Königreich die erste Welle der Pandemie abebbte, wurde Boris Johnson danach gefragt, ob er im Winter womöglich den nächsten nationalen Lockdown verhängen werde. Er bezweifle das, antwortete der Premierminister, das Land erneut abzuriegeln, wäre eine „nukleare“ Option – „ich will nicht darauf zurückgreifen. Und ich glaube auch nicht, dass wir nochmal in eine solche Lage kommen werden.“

Drei Monate und viele tausend Covid-19-Infizierte später trat Johnson am Montagabend live vor die Nation und verkündete, dass das Alltagsleben von rund 17 Millionen Engländern nun wieder massiven Einschränkungen unterliegen wird.

Vor allem das der Menschen in Liverpool und Umgebung, sie dürfen sich von Mittwoch an weder drinnen noch draußen mit anderen treffen, nicht mehr in Pubs trinken gehen, keine Fitnessstudios mehr aufsuchen. Es war kein nationaler Lockdown, den Johnson verhängte – noch nicht. Aber: „Die Zahlen leuchten wie Warnlampen in einem Passagierflugzeug.“

Wieder zurück auf Los

Tatsächlich melden alle vier Teile des Königreichs seit Ende September rapide steigende Infektionsraten. Allein in England und Wales wurden zuletzt täglich mehr als 13.000 Neuinfizierte registriert; die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist inzwischen höher als vor dem landesweiten Lockdown im März.

Besonders beunruhigend: Obwohl die Regierung für die besonders betroffenen Regionen in Mittel- und Nordengland bereits vor Wochen eindämmende Maßnahmen verkündet hat, grassiert das Virus dort weiter überdurchschnittlich stark. Der stellvertretende Chief Medical Officer für England, Jonathan Van-Tam, sieht es so: Das Land sei praktisch wieder an dem Punkt, an dem es im März stand.

Am Montag nun versuchte Johnson, die Reißleine zu ziehen. Um die kaum noch zu überblickenden Regeln und Ausnahmen im Kampf gegen die Pandemie „zu vereinfachen und zu standardisieren“, kündigte der Regierungschef ein dreistufiges Corona-Warnsystem an….