Wann kommt er nun eigentlich, dieser Brexit? Das mag sich fragen, wer die Verhandlungen über den Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union nicht allzu eng verfolgt. Zwar ist das Vereinigte Königreich bereits Ende Januar offiziell aus der EU ausgeschieden. Doch noch bis Jahresende gilt eine Übergangsphase, während der beide Seiten über ihre künftigen Beziehungen verhandeln – und dabei bislang kaum vorankommen.

In der deutschen Wirtschaft hingegen sorgt das Brexit-Referendum vom Juni 2016 längst für Tatsachen. Die Umsätze und Exporte deutscher Unternehmen auf der Insel sind seitdem in den meisten Branchen rückläufig, die Einbußen zum Teil deutlich. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, die am Dienstag veröffentlicht wird. Sie untersuchte insgesamt 190 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, die bei britischen Tochtergesellschaften mindestens 100 Mitarbeiter beschäftigen.

Die wirtschaftliche Verbundenheit ist demnach immer noch groß. Die untersuchten Firmen beschäftigen rund 375.000 Mitarbeiter im Vereinigten Königreich und verdienen dort im Schnitt jeden vierzehnten Euro. Allein die Autoindustrie macht fast 50 Milliarden Umsatz, auch für die deutsche Finanzbranche und den Verkehrs- und Logistiksektor bleibt die Insel ein wichtiger Markt.

Doch 2015, im letzten Jahr vor dem Referendum, verdienten die Firmen noch jeden elften Euro in Großbritannien. Seitdem sind die Umsätze im Schnitt um zwölf Prozent gefallen. Am stärksten war der Rückgang bei Banken und Versicherungen, für die der Finanzplatz London bislang große Bedeutung hatte.

Die Exporte nach Großbritannien schrumpften im Schnitt um sechs Prozent, in der Autobranche brachen sie sogar um ein Viertel ein. Zum Vergleich: Insgesamt stiegen die deutschen Exporte im selben Zeitraum um elf Prozent.

Gegen den Trend entwickelte sich allein der Groß- und Einzelhandel, dessen Umsätze um fast drei Milliarden Euro zulegten. „Das liegt zum einen an Discountern, die auch…