Genial, aber auch etwas weltfremd – dieser Ruf haftet vielen Empfängern von Nobelpreisen an. Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Wilson schien keine Ausnahme zu sein, als er kurz nach Bekanntgabe seiner Prämierung zu praktischen Erfahrungen mit seinem Forschungsgegenstand befragt wurde.

„Ich habe möglicherweise noch nie selbst an einer Auktion teilgenommen“, bekannte der 83-Jährige lachend. Dann, offenbar nach einer Intervention aus dem Hintergrund, fügte Wilson hinzu: „Meine Frau weist darauf hin, dass wir Skischuhe auf Ebay gekauft haben. Ich schätze, das ist eine Auktion.“

Tatsächlich ist es ein lebensnahes Thema, für das Wilson und sein früherer Doktorand Paul Milgrom (72) nun mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geehrt werden, der auch als Wirtschaftsnobelpreis bekannt ist. Das Prinzip von Auktionen kennt schließlich jeder, auch dank des von Wilson erwähnten Internetauktionshauses. Dessen erster Vorläufer wurde bereits 1674 gegründet, und zwar in Stockholm. Dort gab die Schwedische Akademie der Wissenschaften nun auch die Ehrung von Wilson und Milgrom bekannt – und ließ vorab als kleinen Gag einen Auktionshammer niedergehen.

Die Versteigerung von Gemälden bei Sotheby’s oder Skischuhen auf Ebay sind jedoch vergleichsweise simple Beispiele für Auktionen. Mittlerweile werden diese auch für deutlich komplexere Güter eingesetzt – etwa CO₂-Zertifikate, Strom oder Anzeigen in Onlinesuchmaschinen. Wilson und Milgrom haben erforscht, wie sich solche Auktionen möglichst effizient organisieren lassen. Dabei interessierte sie sowohl das Verhalten der Bieter als auch der Einfluss, den die Art der Versteigerung auf das Ergebnis hat.

Kampf gegen den Fluch des Gewinners

So gibt es neben der sogenannten englischen Auktion mit steigenden Geboten auch eine niederländische Version, bei der die Preise sinken, bis sich ein Käufer findet. Bei der ersten Variante erhalten Bieter einen Eindruck davon, welchen maximalen Wert ihre…