In wenigen Wochen könnte Amerika zu sehen bekommen, wie ein Senator im Apollo-13-Outfit seine Stimme abgibt. Jedenfalls ist das nicht auszuschließen. Er werde für die Bestätigung Amy Coney Barretts als Richterin am Supreme Court votieren, zur Not in einem „Mondanzug“, ließ Ron Johnson die Öffentlichkeit zuletzt wissen.

Die Worte des Republikaners, der den Bundesstaat Wisconsin im Oberhaus des US-Kongresses vertritt und jüngst positiv auf das Coronavirus getestet wurde, lassen erahnen: Für die Republikaner im Senat und das konservative Amerika, das sie vertreten, hat die Besetzung des Postens am Obersten Gericht geradezu existenzielle Bedeutung. Die Stimme für die von Donald Trump nominierte Barrett sei die wichtigste, die die Senatoren abgeben würden, sagt Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Präsidentenpartei in der Kammer: eine Chance auf „seismischen Wandel“, der das Land über Generationen prägen werde.

Nach McConnells Willen soll Barrett sich noch vor dem Wahltag am 3. November den anderen zwei Richterinnen und sechs Richtern am Supreme Court anschließen. Zunächst aber muss sie das Bestätigungsverfahren vor dem Senat durchlaufen, das am heutigen Montag mit den Anhörungen vor dem Justizausschuss beginnt.

Die Republikaner: Ideologie, Wahlkampf, Corona

Eine Ernennung der Juristin würde die Mehrheitsverhältnisse am Obersten Gericht zugunsten der Konservativen verfestigen, womöglich auf Jahrzehnte hin. Die Entscheidungen des Gerichts wirken weit in Politik und Staat, in Gesellschaft und persönliche Sphäre der Bürgerinnen und Bürger hinein. Genau deshalb knüpfen die Republikaner derart große Hoffnungen an eine Ernennung Barretts: Mit der konservativen Bundesrichterin auf der Supreme-Court-Bank könnte Obamacare kippen, die ihnen so verhasste Gesundheitsreform des Ex-Präsidenten. Das Recht auf Abtreibung stünde wieder zur Disposition. Womöglich würde auch die Glaubensfreiheit deutlich weiter ausgelegt als zuletzt, zulasten der Rechte von Homo- und…