Der amerikanische Traum lebt noch; zumindest in Honduras. In dem von Armut, Gewalt und nun auch Corona geplagten Neun-Millionen-Einwohner-Land in Zentralamerika folgten kürzlich Hunderte Menschen einem Aufruf auf Facebook und in WhatsApp-Gruppen, sich in San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt des Landes, am Busbahnhof zu sammeln und von dort aus in die USA aufzubrechen. Zu Fuß, mitten in der Pandemie.

Viele junge Männer, aber auch Frauen und Kinder mit Rucksäcken, liefen zur Grenze zum Nachbarland Guatemala, unterwegs stießen immer mehr Menschen hinzu, einige mit Mundschutz, andere ohne. So war der Strom nicht mehr aufzuhalten, als er Anfang Oktober an Grenzschützern vorbei nach Guatemala drängte – der dortigen Regierung zufolge mit mehr als 3000 Migranten.

Es war die erste Karawane, die mitten in der Pandemie loszog – und der es gelang, die Grenze zu überqueren.

Der Versuch, trotz Infektionsgefahr, geschlossener Grenzen und abgeriegelter Migrantenherbergen aufzubrechen, zeigt einerseits, wie groß die Not ist, die durch die Coronakrise noch verschärft wird. Die politischen Reaktionen offenbaren aber auch, wie aussichtslos der Traum von den USA geworden ist. Die Chancen, dort anzukommen, stehen wohl schlechter als je zuvor.

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Harte Hand: Guatemalas Präsident ließ Tausende Honduraner verhaften und zurückbringen

Foto: JOHAN ORDONEZ / AFP

Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei empfing die Migranten, als sei das Coronavirus selbst über die Grenze gestürmt: Er bezeichnete sie als „Infektionsrisiko“ und schickte Sicherheitskräfte los, um die Karawane „einzudämmen“. Die meisten Menschen sind in den vergangenen Tagen nach Honduras zurückgebracht worden, Kleingruppen versuchen weiter, sich nach Mexiko und in die USA durchzuschlagen.

Doch auch Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador will sie nicht reinlassen und verstärkte den Grenzschutz im Süden des Landes. Die Grenze zu öffnen, wäre „ein…