Nach der ersten Runde der Parlamentswahl in Litauen liegt der Bund der Bauern und Grünen vorn. Die Regierungspartei aus der politischen Mitte erhielt rund 21 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission in Vilnius auf Basis von Teilauszählungen mitteilte. 

Zweitstärkste politische Kraft wurde demnach die konservative Oppositionspartei Vaterlandsunion mit knapp 18 Prozent, es folgen die populistische Arbeitspartei mit fast 13 Prozent und die Sozialdemokraten mit knapp elf Prozent der Stimmen. Von den übrigen Parteien könnten drei weitere den Sprung ins Parlament des EU- und NATO-Staates schaffen. 

Der Urnengang vom Sonntag war der erste von zwei Wahlgängen: Zunächst wurde über 70 Sitze im Parlament nach dem Verhältniswahlrecht entschieden. In zwei Wochen werden die Wähler dann noch über 71 Direktmandate in der Volksvertretung Seimas abstimmen. Über mögliche Koalitionen wollen die Parteien erst nach Abschluss der Wahl sprechen. Bisher gehören der Regierung neben dem Bund der Bauern und Grünen noch drei kleinere Parteien an.

Lage im Nachbarland belastend  

Im Mittelpunkt des von der Corona-Pandemie überschatteten Wahlkampfs standen wirtschafts- und sozialpolitische Themen. Litauen geriet zuletzt auch durch die Krise im Nachbarland Belarus ins internationale Rampenlicht. Nach der als grob gefälscht kritisierten Präsidentenwahl nahm es von dort viele Oppositionelle auf, auch Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

Im Exil: die belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja

Bei der Wahl in Litauen galten strenge Corona-Schutzmaßnahmen. So sollten die Wahlberechtigten ihre eigenen Stifte mitbringen, um die Stimmzettel auszufüllen. In der vergangenen Woche konnten Bürger in Autos in Durchfahrstationen ihr Stimme abgeben oder Wahlstände auf öffentlichen Plätzen aufsuchen. Zudem hatten Teams in Schutzanzügen rund 32.000 Bürger, die sich in Selbstisolation befinden, aufgesucht, damit sie zu Hause abstimmen konnten.

Einen Tag vor der…