Deutsche Welle: Juergen Boos, Sie haben lange an den Plänen festgehalten, die Frankfurter Buchmesse in abgespeckter Form und als eher europäische Messe abhalten zu können. Corona-bedingt musste die Messe, wie wir sie kennen, am Ende doch abgesagt werden und wird nun als eine überwiegend digitale Buchmesse stattfinden (vom 14.-18.10.2020). Wie müssen wir uns das vorstellen?

Juergen Boos: Die Messe wird tatsächlich in der Festhalle stattfinden, und es wird Veranstaltungen in der Stadt geben, aber die Messehallen bleiben leer. Deshalb mussten wir neben diese dezentrale Messe ein umfangreiches digitales Konzept setzten, das auf der einen Seite die Bedürfnisse des Handels, des Rechtehandels berücksichtigt, aber natürlich auch das Buch und die Autoren in den Mittelpunkt stellt. Wir haben ein digitales Buchfest auf die Beine gestellt, und ein virtuelles Sendezentrum aufgebaut, durch das wir aus der Frankfurter Festhalle heraus in die ganze Welt senden werden.

Wird die Buchmesse jemals wieder so sein wie zuvor?

Ich denke, ja, jedenfalls wird sie sehr ähnlich sein. Wir werden jetzt ausprobieren, was digital funktioniert – wie funktionieren die wirtschaftlichen Transaktionen, wie die digitale Interaktion mit dem Publikum? Was sich bewährt, werden wir im nächsten Jahr natürlich weiter benutzen. Aber ja, wir werden uns wieder physisch treffen, denn sonst geht die Kreativität, der Zufall, das Vertrauen, das eine persönliche Begegnung aufbaut, verloren.

Kann man denn jetzt schon abschätzen, was möglicherweise verloren ist?

Für die Branche sind in diesem Jahr die Chancen eben dieser Art der persönlichen Begegnung verloren gegangen. Es betrifft ja nicht nur Frankfurt, sondern auch Leipzig, die Begegnung mit dem Publikum, mit dem Autor. Hier in Deutschland hat auch die LitCologne nicht stattgefunden, international nicht die Fachmessen in London oder Bologna. Peking war bisher international, aber in diesem Jahr war die Messe dort rein lokal, beziehungsweise auch virtuell. Wir…