„Das ist unglaublich, das ist irreal. Ich weiß nicht, wie lange es diesmal dauert, das zu realisieren“, sagte Andreas Mies nach dem 6:3, 7:5-Sieg an der Seite von Kevin Krawietz im Doppel-Finale der French Open in Paris gegen den Kroaten Mate Pavic und den Brasilianer Bruno Soares. Damit wiederholten die beiden ihren Sensationscoup von 2019, als sie in Roland Garros triumphiert hatten. Dass sie nun ihren Titel verteidigen konnten, ist zwar nicht mehr sensationell, aber durchaus überraschend. Das hatten vorher in Paris nur viel Doppel geschafft.

Einfach clever

Eine Geschichte über die Tennisprofis Krawietz und Mies kann mit dem Aufstieg beginnen, mit dem fulminanten Erfolg im vergangenen Jahr. Sie könnte aber auch beim Discounter Lidl am Regal beginnen oder mit einem schmerzhaften Knie. Vielleicht wäre aber die Erkenntnis, dass man es als Einzelspieler nicht an die Spitze schafft, ein guter Anfang. Tatsächlich sollte diese Geschichte aber mit den Besonderheiten des Doppelspiels im Tennis beginnen und mit einer These: Doppelspieler sind in Wahrheit die Besseren. Oder – die Clevereren.

Doppel: Abwarten hilft nicht 

Kevin Krawietz und Andreas Mies haben sich auf Ihrem Weg ins Oberhaus des Welttennis nicht fünf Stunden lang pro Partie auf dem Platz gequält, wie es ihr Landsmann Alexander Zverev im Einzel immer wieder macht. Das aber ist nicht der einzige Beleg für die These. Doppel im Tennis: eine Sache, in der man schnell sein muss, nicht nur mit dem Körper, sondern vor allem im Kopf. In der man auf den Gegner eingehen muss. In der man die Matches nicht mit der Ausdauer an der Grundlinie gewinnt (selbst nicht auf dem langsamen Herbstsand von Paris), sondern mit geschicktem Agieren am Netz. Wer im Doppel den Punkt nicht selbst macht, der – macht ihn nicht. Abwarten hilft nicht.

Vereinshymne und Fahnen im Klub

Als Krawietz und Mies im Frühjahr 2019 wie im Rausch ins Endspiel von Roland Garros vorstießen und gewannen, hatten sie am Ende 56 Unterstützer aus der…