Frankreich bereitet sich auf ein mögliches Ende der Brexit-Übergangsphase ohne Handelspakt vor. „Auch wenn Frankreich eine fehlende Einigung vermeiden will, bereitet es sich in enger Abstimmung mit seinen europäischen Partnern und der Europäischen Kommission auf alle Szenarien vor“, teilte Premierminister Jean Castex am Montagabend mit.  

Ein fehlendes Abkommen könne gewichtige Auswirkungen haben – deshalb würden derzeit alle betroffenen Ministerien daran arbeiten, geeinigte Unterstützung für die am stärksten betroffenen Sektoren zu finden. „Die Verhandlungen über ein Abkommen über die künftige Beziehung werden ebenfalls fortgesetzt“, hieß es.  

Die Europäische Union und Großbritannien versuchen derzeit, doch noch Fortschritte auf dem Weg zu einem Handelspakt zu machen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte der EU eine Frist bis 15. Oktober für eine Einigung gesetzt – also bis Donnerstag. Dann tagen die EU-Staats- und Regierungschefs bei einem Gipfel in Brüssel. Die EU geht davon aus, dass noch zwei Wochen länger verhandelt werden kann. Das Abkommen soll die wirtschaftlichen Beziehungen nach der Brexit-Übergangsphase regeln, die am 31. Dezember endet. 

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, hätte dies auch für Frankreich heftige Auswirkungen. Die französische Hafenstadt Calais ist der wichtigste Zugang zum Vereinten Königreich. Der keine 40 Kilometer breite Ärmelkanal zwischen Dover und Calais ist mit seinen Fähren und dem nahe gelegenen Eurotunnel Verkehrsknotenpunkt. Ohne Einigung würden Zollkontrollen nötig werden, die Region würde sich zu einem Nadelöhr entwickeln. Auch die französischen Fischer sind in großer Sorge, da sie auch in den britischen Gewässern fischen. Für britische Staatsbürger mit Wohnsitz in Frankreich soll ab 19. Oktober eine Plattform zur Beantragung von Dokumenten zugänglich sein, so die französische Regierung. 

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