Plötzlich stehen alle Räder still im Hafen von Dover. An einem Mittwoch im September stauen sich Dutzende Vierzigtonner auf der vierspurigen Ausfahrt in Richtung Autobahn. Dieselschwaden ziehen über das Hafengelände, einige Fahrer spielen nervös mit dem Gaspedal.

Ein roter und ein grauer Lkw waren in einer Kurve zusammengestoßen. Nichts Großes, ein paar Beulen und Kratzer an den Anhängern. Und doch reicht die Kolonne zurück bis zu den Fähren, die längst wieder neue Lkw aufnehmen müssten für die Rückfahrt über den Ärmelkanal.

Sie alle werden sich an diesem Tag verspäten, die Fährschiffer ebenso wie die Trucker. Dabei ist die kleine Havarie nur ein Vorgeschmack auf den Riesenstau, mit dem in Dover alle ab dem 1. Januar rechnen, jenem Tag, an dem Großbritannien nach knapp einem Jahr Übergangsphase endgültig den EU-Binnenmarkt verlässt.

Über die Details des Austritts wird noch hektisch verhandelt, mal in London, mal in Brüssel. Es geht um Zölle und Zertifikate, um Berufsabschlüsse und Umweltauflagen, um Zuschüsse für Start-ups und Fischfangrechte vor der britischen Küste.