Die aktuelle europäische Agrarpolitik zerstöre die Artenvielfalt und die derzeit geplante Reform gehe längst nicht weit genug, um das Artensterben aufzuhalten – das ist die Botschaft einer aktuellen Stellungnahme von mehreren Wissenschaftsakademien.

In ihrem Bericht zu „Biodiversität und Management von Agrarlandschaften“ beschreiben die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina, die Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften die Folgen der Landwirtschaft auf Pflanzen, Insekten und Vögel.

„Der Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist so dramatisch, dass in Zukunft ernsthafte Folgen für die Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme und für das Wohlergehen des Menschen zu erwarten sind“, heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.

Keine Schuldzuschreibung

Dabei vermeiden die Autoren Schuldzuschreibungen. Viele Gründe wirken zusammen, oft sind sie logische Folge von Prozessen, denen die Bauern derzeit ausgeliefert sind, wenn sie überleben wollen:

Alles, was Landwirtschaft eben effizienter und wettbewerbsfähiger macht.

Sehr klar ist die Stellungnahme dagegen in der Schlussfolgerung:

„Die Situation ist dramatisch, der Handlungsbedarf akut. Auch deshalb wird es nicht genügen, nur einzelne Komponenten des Systems der Agrarlandschaft zu verändern. Es bedarf eines gesamtgesellschaftlichen Wandels hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft.“

In der Stellungnahme finden sich deshalb unter anderem Vorschläge für bessere Informationen für Verbraucher oder für Forschungsansätze in der Wissenschaft. Besonders klar sind aber die Forderungen an die Politik.

Die Wissenschaftler formulieren Vorschläge, wie die Politik handeln könnte – und das, kurz bevor die Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU in die entscheidende Phase gehen.

Die GAP gilt stets für sieben Jahre und ist der größte einzelne Haushaltsposten der EU. Jedes Jahr werden mehr als 50 Milliarden Euro an…