Lässig und dennoch stilvoll gekleidet mit John-Lennon-Brille und Afro-Look, daneben Staats- und Parteichef Erich Honecker, mit verkrampftem Lächeln, einen Kopf kleiner als sein Besuch aus den USA. Fotos wie dieses gingen Anfang der 70er Jahre um die Welt, erinnert sich die Historikerin Kata Krasznahorkai. „In meiner Kindheit in Ungarn tauchte diese Frau mit ihrer charakteristischen Frisur überall auf – auf Postern und sogar auf Wandteppichen.“ 

Die Bilder zeigen eine Person mit vielen Seiten: Eine Aktivistin für die Rechte der schwarzen Menschen in den USA, eine für das FBI scheinbar extrem gefährliche Terroristin und eine weltweite Ikone des antiimperialistischen Widerstands. Angela Davis, die am 13. Oktober 1970, also vor 50 Jahren, verhaftet und unter Mordanklage gestellt wurde, hatte viele Rollen, die ihr nicht nur Bewunderung, sondern auch Kritik einbrachten. 

Angela Davis und ihr Kampf für die Rechte der Schwarzen

Angela Davis kommt 1944 in Alabama zur Welt. Sie wächst in einer behüteten Familie als Tochter eines Tankstellenbesitzers und einer Lehrerin auf. Ihre Eltern sind politisch interessiert, bereits in ihrer Kindheit kommt sie mit linken und kommunistischen Aktivisten in Kontakt. Mit dem Problem des Rassenkonflikts wird die Afro-Amerikanerin schon früh konfrontiert – als etwa in ihrem Viertel mehrere Angriffe bekannt als „Dynamite Hill“ von Ku-Klux-Klan-Anhängern auf schwarze Menschen verübt werden. Es waren diese ersten Erfahrungen, mit denen sie später ihr politisches Engagement und ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei der USA begründen sollte.

Nach Studienaufenthalten in Paris und Frankfurt am Main bekommt sie Ende der 1960er eine Stelle als Dozentin an der Universität von Los Angeles. Doch die junge Professorin wird von einem getarnten FBI-Studenten als Kommunistin enttarnt. Als ihre Parteizugehörigkeit auffliegt, wird ihr Vertrag nicht mehr verlängert. Mehr noch: Sie wird auf die Liste der zehn meist gesuchten…