Erst in einer Polarnacht lernt der Mensch richtige Dunkelheit kennen. Bei etwa minus 40 Grad Celsius stand Markus Rex auf einer Eisscholle und schaute hinaus in eine Schwärze, die viel umfassender war als alles, was er von zu Hause kannte.

„Die Welt schrumpft zusammen auf eine kleine Blase von Licht, das von der eigenen Stirnlampe verbreitet wird“, erzählt der Atmosphärenphysiker. „Man kommt sich vor wie auf einem fremden Himmelskörper.“

Und als sich der Mond knapp über den Horizont schob, fühlte sich der Forscher endgültig wie auf einem anderen Planeten. Mal hatte der Mond die Form eines Atompilzes, mal sah er fast quadratisch aus, dann wieder schien er aus Streifen zu bestehen. Schuld daran waren optische Verzerrungen durch unterschiedlich kalte Schichten der arktischen Luft. „Das ist eine außerirdische Erfahrung“, sagt Rex.

Solche speziellen Momente haben der Expeditionsleiter und seine Kolleginnen und Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut in den vergangenen Monaten häufig erlebt. Ein Jahr lang waren sie mit dem deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ im hohen Norden unterwegs. Rund 150 Tage davon verbrachten sie in Dämmerung und Dunkelheit, an 56 Tagen hatten sie mit Starkwind zu kämpfen. Insgesamt 58-mal wurden Eisbären in der Nähe des Schiffes gesichtet. Die nächste menschliche Siedlung lag viele Hundert Kilometer entfernt.