Litauen hat ein neues Parlament gewählt. Nach Umfragen vor der Wahl wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem regierenden Bund der Bauern und Grünen sowie der oppositionellen konservativen Vaterlandsunion erwartet. Zudem könnten drei oder vier weitere Parteien ins Parlament der Hauptstadt Vilnius einziehen. Mit ersten Ergebnissen wird in der Nacht zum Montag gerechnet. Nach Einschätzung von Experten wird keine Partei allein regieren können. Erwartet werden schwierige Koalitionsverhandlungen. Ob sich das Bündnis unter Ministerpräsident Saulius Skvernelis an der Macht halten kann, scheint fraglich. Neben dem Bund der Bauern und Grünen sind daran noch drei kleinere Parteien beteiligt.

Auch Lage im Nachbarland belastend  

Im Mittelpunkt des von der Corona-Pandemie überschatteten Wahlkampfs standen wirtschafts- und sozialpolitische Themen. Litauen geriet zuletzt auch durch die Krise im Nachbarland Belarus ins internationale Rampenlicht. Nach der als grob gefälscht kritisierten Präsidentenwahl nahm es von dort viele Oppositionelle auf, auch Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

Die belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja nahm am Samstag in Vilnius an einer Demo für ihr Heimatland teil.

Der Urnengang am Sonntag war der erste von zwei Wahlgängen: Die Wähler entschieden zunächst über 70 Sitze im Parlament nach dem Verhältniswahlrecht. In zwei Wochen werden sie dann über 71 Direktmandate in der Volksvertretung Seimas abstimmen.

Corona-Neuinfektionen auf Rekordniveau

Es galten strenge Corona-Schutzmaßnahmen. So sollten die Wahlberechtigten ihre eigenen Stifte mitbringen, um die Wahlzettel auszufüllen. In der vergangenen Woche konnten Bürger in Autos in Durchfahrstationen ihr Stimme abgeben oder Wahlstände auf öffentlichen Plätzen aufsuchen. Zudem hatten Teams in Schutzanzügen rund 32.000 Bürger, die sich in Selbstisolation befinden, aufgesucht, damit sie zu Hause abstimmen konnten.

Bequem zur Wahl fahren: Stimmzettelabgabe vom Auto aus