Bevor der Schauspieler Peter Ustinov seine wohl berühmteste Rolle annahm, bat er seinen Regisseur um eine Einschätzung jener Figur, die er in dem Sandalenfilm „Quo Vadis“ (1951) spielen sollte. Die Antwort fiel knapp aus: „Nero? Ein Arschloch! Weißt du, was er mit seiner Mutter gemacht hat?“

Der Legende nach schlief der römische Kaiser nicht nur mit seine Erzeugerin Agrippina, er ließ sie schließlich ebenso meucheln wie seinen Stiefbruder Britannicus. Und die Liste seiner angeblichen Verfehlungen ist noch länger. Auf Befehl des Tyrannen wurden Christen in Tierfelle genäht und von Hunden zerfleischt. Am Ende habe der Herrscher sogar seine Heimatstadt Rom niederbrennen lassen.

Ustinov spielte Nero, der zwischen 54 und 68 nach Christus regierte, als larmoyanten Psychopathen – und folgte damit den uralten Überlieferungen. Etliche Autoren der Antike sahen in dem anscheinend außer Kontrolle geratenen Kaiser gar ein Werkzeug Satans, das die Apokalypse entfachen sollte. Die Offenbarung des Johannes verkündete finster die Ankunft eines Tieres mit zwei Hörnern, das die Zahl 666 trägt – das Kennzeichen des Antichrists. War mit dem schaurigen Zahlenrätsel aus dem Neuen Testament Nero gemeint, wie der Bischof und frühe Bibelexeget Victorinus von Pettau (gestorben um 304 n. Chr.) behauptete?