SPIEGEL: Frau Motschmann, Sie sind für eine Frauenquote in der CDU. Nun kandidieren für die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer drei Männer. Stört Sie das?

Motschmann: Ich hätte mir gewünscht, dass auch eine Frau im Rennen wäre. Aber sehen wir es positiv: Zweimal hintereinander stand eine Frau an der Spitze unserer Partei. Das war revolutionär für die CDU. Deshalb kann ich es akzeptieren, wenn wir dieses Mal nur Männer im Rennen haben.

SPIEGEL: So eine gute Quote sind zwei Frauen auf die Geschichte der CDU gerechnet allerdings nicht. War denn keine Frau qualifiziert genug?

Motschmann: 20 Jahre weiblicher Parteivorsitz hat uns in der Geschichte Deutschlands noch keine andere Partei nachgemacht. Es gibt so viele qualifizierte Frauen in der CDU:  Ministerinnen, Staatssekretärinnen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie sind nur nicht so bekannt. Für Frauen ist das ein enormer Nachteil, für den auch die Medien verantwortlich sind, weil sie Frauen weniger berücksichtigen. Hier müssen die Frauen aber auch mutiger werden und stärker mediale Präsenz suchen.

SPIEGEL: Mangelnde Bekanntheit dürfte bei Ministerinnen eigentlich nicht das Problem sein. Was ist zum Beispiel mit Julia Klöckner?

Motschmann: Julia Klöckner wird immer wieder genannt, und ich traue ihr den Parteivorsitz mit allen Optionen zu. Sie hat alle Qualifikationen für ein solches Amt: Führungserfahrung, Regierungserfahrung, sie ist bundes- und landespolitisch erfahren.

SPIEGEL: Welche qualifizierten Kandidatinnen fallen Ihnen noch ein?

Motschmann: Wie gern würde ich hier jetzt einige Namen nennen. Aber das setzt leider das Einverständnis dieser Frauen voraus. An kompetenten Frauen mangelt es ganz bestimmt nicht.

SPIEGEL: Sie sprechen von fehlendem Mut: Trauen die meisten Frauen sich nicht zu, die CDU zu führen?

Motschmann: Das glaube ich nicht, aber ich kann verstehen, dass Frauen sich diesmal nicht ins Rennen begeben wollten. Wir haben drei sehr gute Kandidaten, die um einen Posten…