Die Opposition in Belarus hatte an diesem Sonntagnachmittag zu einem sogenannten Marsch des Stolzes aufgerufen. Gleich zu Beginn der friedlichen Kundgebung im Zentrum der Hauptstadt Minsk gingen die Sicherheitskräfte von Machthaber Alexander Lukaschenko hart gegen die Demonstrierenden vor.

Videobilder von unabhängigen Nachrichtenkanälen wie Nexta.tv auf dem Messengerdienst Telegram zeigten schwarz vermummte Einsatztruppen, die auf eine Menschenmenge losgingen, sie auseinandertrieben und auf einzelne Protestierende einprügelten. 100 Menschen seien verhaftet worden, meldet die Agentur Interfax. Die Menschrechtsorganisation Wjesna nennt zurzeit 87 Festnahmen, darunter 37 Journalisten. Auch Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfer wurden von den Polizisten eingesetzt. Auf den Videos war zu sehen, wie die Festgenommenen zu bereit stehenden Kleinbussen gebracht wurden.

Beobachter berichteten außerdem, dass am Sonntag erneut das mobile Internet zeitweise abgeschaltet worden sei. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich die Demonstranten zu Protestrouten verabreden. Zudem waren in Minsk mehrere U-Bahn-Stationen geschlossen, damit die Menschen nicht mehr ins Zentrum gelangen konnten. Auch eine zentrale Straßenkreuzung wurde abgesperrt.

Es ist das mittlerweile neunte Protest-Wochenende in Folge. Vor einer Woche kamen rund 100.000 Menschen zu den Protesten. In Belarus wird bereits seit zwei Monaten gegen den autoritären Staatschef demonstriert, der mit massenhaften Festnahmen darauf reagiert.

Bereits am Morgen seien zahlreiche Militärfahrzeuge im Zentrum von Minsk unterwegs gewesen, berichtete das unabhängige Nachrichtenportal tut.by. Über den Messenger Telegram wurden Bilder von abgesperrten Plätzen verbreitet, darunter die Gegend um den Präsidentenpalast. Das Innenministerium warnte eindringlich vor einer Teilnahme an dem Protestmarsch. Je nach Lage könne auch Spezialausrüstung eingesetzt werden, drohten die Behörden, ohne Details zu nennen.

Die Härte des…