In Chile sorgt derzeit der Fall eines jugendlichen Demonstranten für Empörung, den ein Polizist Anfang des Monats eine Brücke hinunterstieß. Bei den Massenprotesten für eine bessere Gesundheitsversorgung Ende letzten Jahres sollen die Sicherheitskräfte mehr als 30 Menschen getötet haben. Hunderte Demonstranten erlitten zudem Augenverletzungen, weil Polizisten mit Gummigeschossen teilweise offenbar gezielt in Gesichter feuerten. 

Demonstranten in Chile tragen Plakate mit 352 aufgemalten Augen – so viele Menschen sollen durch die Polizei ihr Augenlicht verloren haben

In Kolumbien starb Anfang September der Jurastudent Javier Ordoñez durch Schläge von Polizisten auf der Polizeiwache. Die Beamten hatten ihn dorthin gebracht, weil er entgegen der Corona-Vorschriften Alkohol auf der Straße getrunken haben soll. Bei den darauffolgenden Demonstrationen gegen Polizeigewalt starben laut Medienberichten 13 Zivilisten. Ende September sorgte der Fall einer Transfrau, die bei einer Verkehrskontrolle von einem Soldaten erschossen wurde, zusätzlich für Unruhen.

In Mexiko gingen im Juni Tausende gegen Polizeigewalt auf die Straße, nachdem bekannt wurde, dass der 30-jährige Giovanni López in Polizeigewahrsam starb – er war wegen Nicht-Einhalten der Mundschutzpflicht festgenommen worden. Die Foltermethoden der mexikanischen Polizei sind fast genauso gefürchtet wie die der Drogenkartelle.

Traurige Rekorde

Das sind nur drei Beispiele, die symptomatisch für nahezu alle nicht-englischsprachigen Länder auf dem amerikanischen Kontinent sind. In diesem Sommer richtete sich die weltweite Aufmerksamkeit auf das Problem der (rassistischen) Polizeigewalt in den USA, nachdem der Afroamerikaner George Floyd bei einer gewaltsamen Festnahme starb. Doch in Lateinamerika hat die Brutalität der Sicherheitskräfte noch einmal eine ganz andere Dimension.

„Das Level an Gewalt und außergerichtlichen Hinrichtungen ist vielerorts vollkommen außer Kontrolle“, sagt Fernanda Doz Costa von der…