SPIEGEL: Herr Professor Genzel, wir gratulieren zum Physiknobelpreis. Was haben Sie gerade getan, als der Anruf aus Stockholm kam?

Genzel: Das, was wir Wissenschaftler seit sechs Monaten den ganzen Tag lang tun: Zoom, Zoom, Zoom. Ich saß mit 25 anderen Leuten in der Zoom-Schalte eines virtuellen Komitees der Max-Planck-Gesellschaft.

SPIEGEL: Und dann hat während der Videokonferenz ganz klassisch das Telefon geklingelt?

Genzel: Es war fast komisch: Ich sitze vor der Röhre. Weiß, dass ich da noch sechseinhalb weitere Stunden verbringen muss. Das Telefon klingelt, und jemand sagt: „This is Stockholm.“ Dann stockt die Verbindung. Es dauerte eine Weile, bis der „Sekreterare“ zu hören war. Ich bin so lange ans Fenster gegangen und habe gedacht: „Diese verdammte Pandemie. Jetzt kriege ich schon Halluzinationen.“

SPIEGEL: Ein Dienstag Anfang Oktober, kurz nach elf Uhr – also Physiknobelpreiszeit –, und Sie wollen uns weismachen, Sie hätten nicht gewusst, wer da in der Leitung ist?

Genzel: Nein. Das müssen Sie mir schon glauben, in diesem Jahr habe ich wirklich überhaupt nicht daran gedacht. In den Vorjahren, ja, da schon. 2011 zum Beispiel. Damals waren wir mit unseren Messungen weit gediehen, und ich habe gedacht: Eigentlich könnte ich dran sein. Ich bin mir ziemlich sicher: Wir waren nah dran damals.