Innerhalb von 48 Stunden sind auf den Kanarischen Inseln über 1000 Migranten aus Afrika gelandet. So viele seien es zuletzt 2006 gewesen, teilte das Rote Kreuz mit. Demnach kamen seit Donnerstag 1015 Menschen auf den Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa an.

Die meisten waren in sogenannten Cayucos, kleinen offenen Fischerbooten, unterwegs und wurden von der Seenotrettung in den Küstengewässern entdeckt. Sie stammen aus dem Maghreb oder aus Ländern südlich der Sahara. Ihr Gesundheitszustand sei gut, einige litten an einer leichten Unterkühlung, so das Rote Kreuz weiter. Alle Flüchtlinge wurden auf das Coronavirus getestet.

Alternative zur Mittelmeerroute

Seit einigen Monaten wählen Migranten aus Afrika aufgrund europäischer Grenzkontrollabkommen mit Libyen, der Türkei und Marokko seltener das Mittelmeer als Fluchtweg in Richtung EU. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums landeten zwischen Januar und Ende September mehr als 6000 Migranten auf den Kanarischen Inseln; das ist ein Vielfaches der Zahl im Vorjahreszeitraum.

Die Kanaren liegen rund 100 Kilometer vor der Küste Westafrikas – und damit vergleichsweise nah am Festland. Allerdings ist der Atlantik für die kleinen und meist nur mit Außenbordmotoren angetriebenen Boote sehr gefährlich. Wer die Inseln verfehlt, hat vor sich westwärts bis nach Kuba etwa 6500 Kilometer Wasser. Über die Zahl der Toten gibt es nur Schätzungen. Sie dürfte über die Jahre in die Tausende gehen.

jj/uh (dpa, afp)