Mitte September sollen vier Männer in Indien eine 19-Jährige auf einem Feld vergewaltigt haben. Die junge Frau wurde in einer Blutlache aufgefunden. Ihre Wirbelsäule war gebrochen, man hatte ihr in die Zunge geschnitten. Zwei Wochen lang kämpfte sie um ihr Leben. Anfang Oktober verstarb sie in einem Krankenhaus in Delhi.

Das Verbrechen rief Erinnerungen an einen ähnlich grausamen Fall aus dem Jahr 2012 wach. Damals zerrten Männer in Delhi eine 25-jährige Physiotherapeutin in einen Bus, wo sie die Frau mehrfach vergewaltigten. Der Fall löste in Indien Massenproteste aus, Medien in aller Welt berichteten. Auch damals erlag die Frau ihren Verletzungen. Und wie auch jetzt schlug der Fall politische Wellen.

Narendra Modi, damals noch in der Opposition, beschuldigte die regierende Kongresspartei, sich nicht genügend für die Sicherheit von Frauen im Land einzusetzen. Er forderte jeden Inder und jede Inderin auf, sich bei der nächsten Wahl an das Schicksal der jungen Frau zu erinnern.

Mitten in der Nacht äschern Polizisten den Leichnam ein

Acht Jahre später ist Modi selbst Premier und es zeigt sich: Die Lage der Frauen im Land hat sich seither wenig verbessert. Jeden Tag ereignet sich irgendwo im Land ein Sexualverbrechen. Und doch wird in diesen Tagen deutlich, wie sehr sich Indien unter Modi verändert hat: Damals wie heute wollen sich Indiens Politiker nicht eingestehen, dass das Land ein Problem mit sexueller Gewalt hat. Aber seinerzeit durfte die Familie der Verstorbenen ihrer Wut und Trauer Ausdruck verleihen. Die damalige Regierung ließ Kritik zu – sie ging nicht gegen sie vor.

Uttar Pradesh, wo das Verbrechen stattgefunden hat, ist ein armer und kaum entwickelter Bundesstaat im Norden Indiens. Es ist ein Teil des Landes, in dem viele Eltern einen Jungen noch immer einem Mädchen vorziehen. Und wo das Kastensystem – obwohl es offiziell verboten ist – weiterhin das Leben vieler Menschen diktiert.

Bei dem 19-jährigen Opfer handelte es sich um eine Dalit, eine…