Alle seien schon dagewesen, sagt Hasan Nur, Botschafter, Minister, sogar eine Delegation des Europaparlaments. „Sie alle haben versprochen, uns zu helfen“, sagt der Mann mittleren Alters, der nur noch wenige Zähne hat. „Und geschehen ist bis heute nichts.“   

Josep Borrell, der EU-Chefdiplomat, und Janez Lenarčič, EU-Kommissar für Krisenmanagement, sind in das Flüchtlingslager Qoloji an der Grenze Äthiopiens zu Somalia gekommen. Über 14.000 Familien leben zum Teil schon seit Jahren hier, es sind Binnenflüchtlinge, die aus ihrer Heimat innerhalb Äthiopiens wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit vertrieben worden sind.

Die EU-Politiker haben sich die ärmellosen beigen Jacken der humanitären Helfer der EU übergestreift und sitzen auf Plastikstühlen in einer luftig gemauerten Schule. „Ihr braucht eine dauerhafte Lösung“, sagt Krisenkommissar Lenarčič, „ihr seid nicht allein.“ 

Lenarčič will Hoffnung machen – das ist nicht so leicht

Es ist ein freundlich gemeinter Versuch, etwas Hoffnung zu machen. Doch das ist an diesem Freitagmittag im äußersten Osten Äthiopiens gar nicht so einfach.  

Vor knapp einem Jahr hatte Ursula von der Leyen in Addis Abeba einen Neustart der Beziehungen der EU zu Afrika verkündet. Die Zeit sei vorbei, so die EU-Kommissionschefin, in der Europa in Afrika als Lehrmeister aufgetreten sei. Stattdessen stellte sie eine echte Partnerschaft in Aussicht – vom Kampf gegen den Klimawandel bis zur Digitalisierung.

Der Zeitpunkt ihrer Reise im Dezember 2019 war gut gewählt: Abiy Ahmed, Äthiopiens Premierminister, hatte in seinem Land gerade erst ein Fenster zur Demokratie aufgestoßen und wie es der Zufall wollte, sollte der Mann ein paar Tage nach von der Leyens Visite dafür auch noch den Friedensnobelpreis empfangen.  

Gut ein Jahr später ist von dieser Dynamik nicht mehr viel zu spüren. Zwei Tage sind Chefdiplomat Borrell und der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Lenarčič in Äthiopien unterwegs – doch statt Aufbruch…