Michael Kellner, der Bundesgeschäftsführer der Grünen, ist am vergangenen Wochenende zu einer Demonstration im hessischen Dannenröder Forst gefahren. Es ging gegen den Ausbau der Bundesautobahn 49. Aber im Publikum war ein Plakat zu sehen, „Nie wieder Grüne“ stand darauf, daneben eine aufgemalte Sonnenblume.

Kellner hielt eine Rede gegen die A49, doch aus dem Publikum waren wütende Rufe zu hören, so ist es auf Videoaufnahmen der „Hessenschau“ zu sehen. Der Grünen-Geschäftsführer schrieb hinterher auf Instagram, es sei „kein einfacher Auftritt“ gewesen und dass es einen „sofortigen Stopp“ des Ausbaus der A49 brauche.

Früher, vor vielleicht zehn Jahren, wären solche Auftritte für die Grünen ein Heimspiel gewesen.

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Grünenpolitiker Kellner bei Protest im Dannenröder Forst

Foto: Peter Hartenfelser / imago images/Hartenfelser

Sie waren ja stets die Verbündeten der Ökobewegung. Die Grünen konnten erklären, was sie alles anders machen würden, wenn sie erst einmal an der Macht wären. Mit ihnen kein Stuttgart 21, keine Rodung der Wälder, keine A49. Sie waren eben eine Zehnprozentpartei, die in dem ein oder anderen Bundesland den Juniorpartner der SPD in der Regierung gab.

Seitdem hat sich viel verändert. Jetzt ist die Partei an elf Landesregierungen beteiligt, in Baden-Württemberg stellt sie seit 2011 den Ministerpräsidenten. Das Wahlergebnis in Hessen wurde im Jahr 2018 fast verdoppelt auf knapp 20 Prozent, seit sechs Jahren regiert Schwarz-Grün in Wiesbaden.

Die Oppositionsrolle erfüllen die Grünen vor allem im Bund – und dort verweisen sie gern darauf, wie unbedingt sie regieren wollen, dass sie eine „Quasi-Regierungspartei im Wartestand“ (Grünenvorsitzender Robert Habeck) seien.

In Hessen aber ist nichts mit Quasi, da ist Tarek Al-Wazir von den Grünen Verkehrsminister und Vizeministerpräsident. Er verantwortet den Bau der A49 im Auftrag des Bundes.

Auf ihn sind die Umweltschützer besonders wütend. „Voldemort“…