Nach tagelangen Gefechten zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Südkaukasusregion Berg-Karabach ist um ab 10 Uhr MESZ (12 Uhr Ortszeit) eine Waffenruhe in Kraft getreten. Die Verhandlungen zu der Feuerpause in Moskau zwischen den Außenministern der verfeindeten Nachbarländer, den Diplomaten Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan, dauerten mehr als zehn Stunden. Kremlchef Wladimir Putin hatte beide Länder zuvor eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen.

Beide Seiten warfen sich jedoch kurz nach dem Inkrafttreten gegenseitig weitere Beschüsse vor. Schon kurz vor Beginn der Waffenruhe war die Lage in der Region angespannt. Am Vormittag habe es zahlreiche Luftangriffe gegeben, hieß es aus Eriwan. Aserbaidschan habe versucht, sich vor der Waffenruhe noch einen Vorteil zu verschaffen, sagte die Sprecherin des armenischen Militärs, Schuschan Stepanjan, auf Facebook.

An diesem Tisch in Moskau wurde die Waffenruhe ausgehandelt

Ein Vertreter der selbsternannten Regierung in Berg-Karabach schrieb auf Twitter, Aserbaidschan habe „zivile Gebiete mit Raketen getroffen“. Zwei Explosionen erschütterten die Stadt am Morgen, berichtete zudem ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP. Auch die Stadt Kapan in Armenien an der Grenze zu Berg-Karabach soll angegriffen worden sein. Auch von Verletzten und Toten ist die Rede. Diese Darstellung wies die Regierung in Baku jedoch als „Lüge“ und „Provokation“ zurück. Das aserbaidschanische Außenministerium meldete seinerseits Raketenangriffe auf bewohnte Gebiete durch die armenische Seite.

Gefangenenaustausch vereinbart

Die Feuerpause solle dazu genutzt werden, um Kriegsgefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und die Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu übergeben, hieß es darin. Weitere Details der Waffenruhe sollten zusätzlich vereinbart werden. Grundlegende Friedensverhandlungen solle es unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geben. Die…