Ab 12 Uhr Mittags (Ortszeit) sollte in der umkämpften Südkaukasusregion Bergkarabach eine mühsam ausgehandelte Waffenruhe gelten. Doch schon wenige Minuten nach Inkraftreten der Vereinbarung meldeten beide Konfliktparteien erneuten Beschuss. „Unter Missachtung des zuvor erklärten humanitären Waffenstillstands“ hätten aserbaidschanische Streitkräfte um 12.05 Uhr einen Angriff gestartet, erklärte das armenische Verteidigungsministerium.

Die Armeesprecherin Armeniens, Schuschan Stepanjan, sagte am Samstag, das Nachbarland ignoriere die Vereinbarung, worauf die Streitkräfte von Berg-Karabach mit „angemessenen Maßnahmen“ reagieren müssten. Bereits kurz vor dem Beginn der Feuerpause habe Aserbaidschan „zivile Gebiete mit Raketen getroffen“, schrieb ein Vertreter der selbsternannten Regierung der Region Bergkarabach laut Nachrichtenegantur AFP auf Twitter.

Aserbaidschan warf Armenien vor, mit Artilleriefeuer auf zahlreiche Orte begonnen zu haben. Alle Angriffe seien abgewendet worden. Die armenische Armee habe „in eklatanter Weise gegen das Waffenstillstandsregime“ verstoßen. Bei Angriffen seien zwei Wohngebiete getroffen worden, erklärte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium.

Trotz der gegenseitigen Anschuldigungen wurde es in der Region am Mittag nach Berichten eines AFP-Reporters ruhiger. Anwohner hätten sich wieder vor ihre Haustüren gewagt, nachdem sie sich tagelang vor Artilleriebeschuss versteckt halten mussten.

Frankreich forderte am Samstag die „strikte“ Einhaltung des Waffenstillstands. Nur so könnten die „Voraussetzungen für eine dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern“ geschaffen werden, erklärte das Außenministerium in Paris. Frankreich leitet zusammen mit den USA und Russland die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die sich für eine friedliche Lösung im Streit um Bergkarabach einsetzt.

Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte am Samstag an beide…