200 Jahre lang gingen Forscher davon aus, dass Rubella, landläufig Röteln genannt, nur beim Menschen vorkommt. Nun haben zwei Zufälle dazu geführt, dass Wissenschaftler aus Deutschland und den USA unabhängig voneinander dieselbe verblüffende Erkenntnis machten: Das Rötelnvirus könnte anders als bisher angenommen aus dem Tierreich stammen.

Alles begann mit dem plötzlichen Tod von drei Zootieren in Deutschland: Es verstarben ein Esel, ein Baumkänguru und ein Wasserschwein. Todesursache unbekannt. Daraufhin kontaktierten die Zoobetreiber das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), in Greifswald. Dortige Forscher untersuchen die Kadaver mit einer Metagenomanalyse.

Dabei wird das gesamte Erbgut einer Probe entziffert und mit Datenbanken abgeglichen. Die Forscher stießen zu ihrer Überraschung auf das Rustrela-Virus, das dem Rötelnvirus im Menschen extrem ähnlich ist.

Mäuse als Virenreservoir

Parallel testeten die Forscher in der Region des Zoos vorkommende Gelbhalsmäuse, die als Überträger des Hantavirus gelten. Das Hantavirus wird über den Kot von Nagetieren, vor allem von Mäusen, verbreitet und kann für den Menschen tödlich sein. Doch bei der Analyse fanden die Forscher des FLI stattdessen das Rustrela-Virus.

Anders als die Zootiere machten die Gelbhalsmäuse allerdings einen sehr lebendigen Eindruck: „Da in den Gelbhalsmäusen keine Anzeichen einer Erkrankung gefunden wurden, sind sie das wahrscheinliche Reservoir des neuen Virus“, schreiben die Wissenschaftler in einer Publikation des Fachmagazins „Nature“.  

Von Reservoiren in Tieren können Viren auf den Menschen übergehen. Auch beim Coronavirus Sars-CoV-2 gehen Experten von einem solchen Vorfall aus. Hier waren wahrscheinlich Fledermäuse das Reservoir (mehr dazu lesen Sie hier).

Zufallsfund im ostafrikanischen Uganda: wieder eine Fledermaus

Der Beitrag in „Nature“ liefert gleich noch einen Beleg dafür, dass Röteln keineswegs nur beim Menschen vorkommen. Ein…