Wo kommen die bloß alle her, mag sich Alt-Star Vincenzo Nibali gefragt haben. Bei der Tour de France mischte der noch 21-jährige Tadej Pogacar das Feld auf. Nibali ließ die Tour aus. Aber auch bei seinem Heimrennen, dem Giro d’Italia, muss sich der 35-Jährige mit einem Konkurrenten des Jahrgangs 1998 auseinandersetzen: João Almeida war nicht nur beim Zeitfahren besser als alle anderen Rundfahrtspezialisten, er hielt auch am Ätna stand. Und bei der anstrengenden Mittelgebirgsetappe über den Apennin holte er sich im Bergsprint der Favoriten noch ein paar Bonussekunden. Der 22-jährige Portugiese fährt clever wie ein Alter.

„Wir müssen ihn ernst nehmen als Rivalen“, sagt Paolo Slongo, Trainer Nibalis beim Rennstall Trek Segafredo, voller Hochachtung. Slongo ist seit 24 Jahren Radsporttrainer, erst bei den Junioren, seit 2008 in der World Tour. Er beobachtet einen Kulturwandel im Radsport: “Sicherlich ändert sich gerade der Radsport. Es kommt diese neue Generation.” Die Fahrer, die früher gewonnen hätten und heute Mitte 30 seien, wie Nibali, Chris Froome oder Geraint Thomas, kämen früher oder später an ihre Grenzen und ließen nach, sagt Slongo – im Gegensatz zu den aufstrebenden jungen Fahrern: „Diese neue Radsport-Generation ist sehr stark.“

Mehr als nur ein normaler Generationswechsel

Es ist aber nicht nur ein Generationswechsel. Die neuen Fahrer brillieren in jüngerem Alter mehr noch als ihre Vorgänger. Der Kolumbianer Egan Bernal siegte 2019 mit 22 Jahren bei der Tour de France. Tadej Pogacar war noch 21, als er in diesem Jahr auf die oberste Stufe des Podiums in Paris stieg. Und der nur sechs Wochen ältere Almeida führt jetzt den Giro an.

Das Kuriose dabei ist, dass der Portugiese lediglich der Ersatzkapitän für den noch zwei Jahre jüngeren Remco Evenepoel ist. Der erst 20-jährige Belgier, ein Ex-Fußballer übrigens, stürzte vor dem Giro. „Remco kann leider nicht hier sein. Wenn er hier wäre, wäre er ein noch größerer Protagonist“, ist…