Am ersten Jahrestag des Anschlags von Halle hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu aufgerufen, Haltung gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu zeigen. Das Grundgesetz sei eine Verpflichtung für jeden Einzelnen, sich einzumischen und aufzustehen, wenn die Menschenwürde anderer missachtet werde, sagte Steinmeier am Freitag in Halle laut vorab verbreitetem Redemanuskript.

Antisemitismus sei ein Seismograf für den Zustand der Demokratie. Je offener er sich äußere, desto stärker seien Werte, Toleranz und Achtung der Menschenwürde angefochten. „Deshalb muss es uns alarmieren, wenn Kritiker der Corona-Maßnahmen alte antisemitische Verschwörungstheorien neu aufleben lassen und sie millionenfach verbreiten“, sagte Steinmeier. Der Bundespräsident war zum Jahrestag nach Halle gereist.

In der Stadt wurde die Tür, die sich damals trotz des Beschusses durch den Attentäter nicht öffnete, als Mahnmal enthüllt. Die Tür habe standgehalten und sei dennoch ein Zeichen der Zerstörung, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Die Juden in der Synagoge hätten Todesangst ausstehen müssen und zwei Menschen hätten die Wut des Täters über sein Scheitern mit dem Leben bezahlt. „Die Einschusslöcher erinnern uns daran: Hätte der Täter bessere Waffen gehabt, wäre es zu einem entsetzlichen Blutbad gekommen.“

Schuster sagte, er sei mit gemischten Gefühlen nach Halle gereist. Die Erinnerung an den Tattag löse immer noch Schmerz aus, gleichzeitig freue es ihn, wie sehr die Gemeinde zusammenstehe und wie viele Solidaritätsbekundungen es gegeben habe. „Deutschland ist unser Zuhause“, sagte Schuster weiter. Halle sei das Zuhause der hiesigen Gemeinde und der Familien und Freunde der beiden Getöteten. „Und dieses Zuhause lassen wir uns nicht nehmen.“

Bundespräsident erinnert an weitere rechtsextreme Gewalttaten

Steinmeier sprach den Überlebenden, Opfern und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Er empfinde tiefe Trauer. Auch ein Jahr nach…